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Anti-Hero

Kneebody

Motema/Rough Trade 39142472
(58 Min., 9/2015)

Die 2001 in Los Angeles gegründete Band Kneebody ist absolut unberechenbar. Mal interpretierte sie gemeinsam mit dem Sänger Theo Bleckmann Songs von Charles Ives (und wurde prompt für den Grammy nominiert), mal arbeitete sie mit einem Elektromusikproduzenten wie Daedalus zusammen.
Als das Quintett unlängst zur Veröffentlichung seiner neunten Einspielung „Anti-Hero“ im Berliner Jazzclub „Zig Zag“ auftrat, überraschte es das Publikum mit der Ansage, dass der mit seinen psychedelisch verhallten Rhodesflächen das Album entscheidend prägende Keyboarder Adam Benjamin krank im Hotel geblieben sei. Die zum Quartett geschrumpfte Band legte nichtsdestotrotz das wahrscheinlich intensivste Jazzkonzert des Jahres in der Hauptstadt hin.
Kneebody, das zeigt auch „Anti-Hero“, lässt sich von nichts stoppen. Erst recht nicht von Genregrenzen. Hardboppige Bläsersätze und jazzgeschichtsbewusst hypervirtuose Soli (verantwortlich dafür: Tenorsaxofonist Ben Wendel und Trompeter Shane Endsley) treffen bei dem Quintett auf blubbernde „Bitches Brew“-Klangoberflächen. Pointiert, aber nie übertrieben eingesetzte Möglichkeiten digitaler Verfremdungseffekte gehen Hand in Hand mit einer grimmigen Rock-Attitüde, die der fabelhafte Derwisch-Trommler Nate Wood und der mit einer gitarristischen Spieltechnik operierende Bassist Kaveh Rastegar an den Tag legen.
So klingt dann ein Stück wie „Uprising“, als hätten Nirvana, Jimi Hendrix und Dizzy Gillespie gemeinsame Sache gemacht, während sich „Drum Battle“ wie ein Gemisch aus D'Angelo, Mehliana und Donny McCaslin anhört. „Profar“ erinnert an eine Spieluhr, die jemand an einen Hochspannungsmast angeschlossen hat, während sich der Albumabschluss „Austin Peralta“ mit seiner Americana-Gitarre, seinem gesangshaften Sirren und seiner still sinnierenden Miles-Davis-Trompete wie der Soundtrack eines futuristischen Western-Films ausnimmt. Anti-Hero? Helden eines neuen Jazzrocks!

Josef Engels, 25.11.2017



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