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Animal Crackers

Kenny Werner

Pirouet/NRW Vertrieb PIT3099
(54 Min., 5/2016)

Weich und mild klingt das Klavierspiel von Kenny Werner. Es scheint, als streichle, kitzle und tupfe er die Tasten. Das unterscheidet ihn von vielen anderen Pianisten der aktuellen Trioszene, die eher mit voller Wucht hämmern oder rockige Rhythmen aus dem Instrument hacken. Diesem sanfteren Klangideal entsprechen auch der Kontrabassist Johannes Weidenmüller und der Schlagzeuger Ari Hoenig, indem sie die aus dem Flügel strömenden Töne durch weich fließende, fast unendlich wirkende Bassfiguren und filigrane Schlagfolgen ergänzen. Der kontinuierliche Fluss ihres Spiels und die unregelmäßig gesetzten Akzente überschreiten ebenso wie Kenny Werners Part die Taktgrenzen, sodass Werners Auseinandersetzung mit den Motiven der Stücke umso intensiver wirkt. Dadurch verleihen sie den Standards „The Song Is You“, „I Should Care“ und „If I Should Lose You“ neue Facetten. Wunderbar, wie beispielsweise in „If I Should Lose You“ das Tempo anzieht und sich aus der Balladeneinleitung ein rascheres Swinggefühl entwickelt. Die übrigen sechs Titel hat Kenny Werner für dieses Trio geschrieben. In „Ari“ setzt das Klavier einer pulsierenden Schlagzeugfigur intensive Klangsprengsel entgegen, und bei den „Animal Crackers“ entsteht der Eindruck, das amerikanische Knabbergebäck werde beim Transport über eine Förderanlage auf dem Weg vom Backofen in die Tüte beobachtet. In „Iago“ kommt dezentes Latin-Feeling ins Spiel, und „Mechanical Arm“, die von allen drei verantwortete Schlussnummer, setzt abgezirkelte Klangbewegungen gegeneinander, wobei Werner hier den Flügel gegen ein E-Piano eingetauscht hat. Auch im stark pulsierenden „What?“ kommen dezente Elektronikklänge zum Einsatz – allerdings nur als Ergänzung zum Klavierspiel. Aus dem Rahmen dieser unplugged wirkenden Stücke fällt „Breathing Torso“, in dem Werner den Naturklang des Flügels durch mystische Synthesizersounds und weltentrückte Gesangssamples ergänzt.

Werner Stiefele, 23.12.2017



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