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Jersey

Mark Guiliana Jazz Quartet

Motéma/Rough Trade 39142592
(46 Min., 10/2016)

Was käme dabei heraus, wenn man Hardbop-Drumlegenden wie Elvin Jones mit einer Roland-808-Drummachine kombinieren würde, das Ergebnis durch einen HipHop-Produzenten wie J Dilla teilte und das Ganze mit der Power eines Elektropioniers wie Squarepusher multiplizierte, fragte sich einmal das Londoner „Time Out“-Magazin. Die Antwort: Mark Guiliana, der landläufig als einer der innovativsten und einflussreichsten Schlagzeuger der aktuellen Jazzszene gilt.
Dass der 1980 in New Jersey geborene US-Amerikaner auch glänzend ohne elektronische Effekte, Drumpads und aus der gegenwärtigen Tanzmusik geborgte Strukturen auskommt, beweist Guiliana mit seiner 2015 gegründeten Gruppe, der er den programmatischen Namen „Jazz Quartet“ gegeben hat. Eine akustische Gruppe, die mit Tenorsaxofon, Klavier, Kontrabass und weitestgehend naturbelassenem Schlagzeug an die klassischen Zeiten des Jazz erinnert. Eine Ära, in der Guilianas Vorbilder Roy Haynes, Art Blakey, Tony Williams und Elvin Jones wirkten, denen er auf „Jersey“ mit einem kurzen, aber vor Energie berstenden Schlagzeugsolo unter dem Akronym-Titel „RATE“ huldigt.
Immer wieder verneigen sich Guiliana, Tenorsaxofonist Jason Rigby, Pianist Fabian Almazan und Bassist Chris Morissey vor den einflussreichen Gestalten und Errungenschaften der Jazzgeschichte. „Our Lady“ erinnert in seinem Calypso-Beat an Sonny Rollins und sein „St. Thomas“, das klagende „September“ könnte einer ECM-Produktion entsprungen sein, „Big Rig Jones“ ist ein boppig swingender Gruß an die Jazz Messengers.
Das Faszinierende ist allerdings, dass das alles an keiner Stelle alt und nostalgieverschnarcht klingt. Was zum einen daran liegt, dass Saxofonist Rigby und Pianist Almazan jeder für sich ein solistisches Unikum sind – der eine in sich gekehrt, lakonisch und auf coole Weise passiv-aggressiv, der andere schlichtweg leicht irre. Zum anderen sind Guilianas Schlagzeugbegleitungen stets ein Fest. In ihnen pumpt das Herz der Gegenwart, gerne auch mal mit durchgetretener Bassdrum auf jede Viertel, aber fernab jeglichen Proletentums.
Besonders berührend zeigt sich die Verschränkung von Gestern und Heute im Abschlussstück „Where Are We Now?“, einer Hommage an David Bowie, für dessen letzte Aufnahme Guiliana trommelte. Die glimmt zunächst zart und traurig wie ein instrumentales Grablicht, um am Ende mit einem demütigen Chorgesang zu einem großen wärmenden Feuer zu werden.

Josef Engels, 23.12.2017



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