Responsive image
Niccolò Paganini

24 Capricen op. 1

Augustin Hadelich

Warner 9029572822
(81 Min., 9/2016 - 7/2017)

Augustin Hadelich, 1984 im italienischen Cecina geborener Sohn deutscher Eltern, verfügt als Geiger über tonliche Süße, auch Süffigkeit und Lyrik, die im heutigen Betrieb die Ausnahme sind. Aufmerksamkeit fand der Solist, der sich als Jugendlicher bei einem Hausbrand schwere Gesichtsverletzungen zuzog, inzwischen auch durch Massenmedien, die sich für klassische Musiker sonst weniger interessieren.
Vergleiche sind bei Paganinis 24 Capricen kaum vermeidbar. Dabei wird rasch klar, dass Hadelich vom Aberwitz eines Itzhak Perlman oder dem Etüden-Wahnsinn eines Michael Rabin ebenso wenig wissen will wie vom orchestralen Schmelz eines Shlomo Mintz oder vom Primadonnentum des Ivry Gitlis. Wie fast alle Solisten heute, versucht auch Hadelich einen Mittelweg zu finden, der alle Ansprüche befriedigt und Fehlerlosigkeit mit scheinbarer Objektivität verbindet – als ob es das gäbe.
Der berühmten Nr. 9 („La chasse“) verleiht Hadelich ein Moment gesanglicher Unbedenklichkeit. Nr. 24 tschilpt und zwitschert wundersam. Die Nr. 18 rückt er unmissverständlich in Beethoven-Nähe. Bei Nr. 23 schreckt er vor elegischem Aufheulen nicht zurück, in Nr. 21 steigert das „Amoroso“ sich bis zum Schrei. Die Tempi sind eher besonnen, der Klang ist trotz allem golden und der Duktus ausgleichend. Dies folgt am ehesten der – offenbar stilbildenden – Aufnahme von Salvatore Accardo.
Wer bei den Jüngeren stöbert, wird von Tanja Becker-Bender eine vollblütigere, von Julia Fischer eine dynamisch feiner gesponnene Lesart finden. Der großartige James Ehnes ist virtuoser. Insgesamt darf in Gestalt von Augustin Hadelich durchaus auf einen fantastischen jungen Geiger hingewiesen werden. Die gravierende Nachbarschaft indes macht ihm zu schaffen.

Robert Fraunholzer, 13.01.2018



Diese CD können Sie kaufen bei:


Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Mit Leidenschaft: Zwischen Beethoven- und Schumann-Haus in der Bonner Brahmsstraße aufgewachsen – damit ist das Programm von Fabian Müllers neuer CD umrissen. Unter dem Titel „Passionato“, entlehnt von Ludwig van Beethovens Dauerbrenner-Klaviersonate und Expressivitätsgipfelwerk, bricht sich hier die Erregung, ja gar die aufgestaute Corona-Wut Bahn. In auftrittsarmen Zeiten bleibt freilich nur der diskografische Weg zum Ausdruck des eigenen Pianisten-Ichs. Es würde aber auch nicht […] mehr »


Top