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So Far

Martin Auer Quintett

Laika/Rough Trade 3510355.2
(68 Min., 2016)

Nichts bleibt, wie es war. Der akustische Jazz von 2017 unterscheidet sich vom Mainstream und Hard Bop der 1950er Jahre wie ein Auto aus jenen Jahren von den heutigen. Zwar bleibt die Besetzung mit Klavier, Bass, Schlagzeug, Trompete und Saxofon seit damals unverändert, aber auch moderne Autos haben Räder, Motor, Bremsen, Gangschaltung, Lenkrad, Karosserie und manch anderes, was es damals schon gab.
Das Martin Auer Quintett jedenfalls spielt den akustischen Jazz der Gegenwart. Der ist ausgefeilter und in seinen Eckpunkten weitaus detailreicher komponiert, als dies die Heroen der 1950er für nötig erachteten. Das Vokabular hat sich erweitert. So kam zum Swing jener Jahre eine Fülle von Rhythmen hinzu, die in der Frühzeit oder auch in den 1960ern noch undenkbar waren, und zudem sind die Stücke häufiger, als es einst üblich war, in Abschnitte mit unterschiedlicher Grundhaltung gegliedert.
Ein abgehackter, rockender Rhythmus prägt die „Ascent Stage“ genannte Eröffnungsnummer. Hat die Band erst einmal Fahrt aufgenommen, überlappen sich verschlungene, zum Teil frei improvisierte Linien des Trompeters Martin Auer und des Saxofonisten Florian Trübsbach. Nun folgt, verteilt auf zehn weitere Titel, ein abwechslungsreicher Reigen aus Nummern mit geradlinigen Beats, zögernden Passagen, sanften Balladenklängen und harten, kantigen Rhythmen.
Zwanzig Jahre besteht die Band inzwischen. Insofern arbeiten der Schlagzeuger Bastian Jütte, der Bassist Andreas Kurz, der Pianist Jan Eschke und die beiden Bläser schon fünf Jahre länger zusammen, als eine Ehe in Deutschland durchschnittlich dauert. Das hierbei gewachsene Einverständnis, das Wissen, wie die anderen reagieren, auch die Rücksichtnahme und das Gewähren von Freiräumen für Soli sowie deren Prägnanz sind vom ersten bis zum letzten Ton spürbar. Auch diese Kontinuität ist ein wesentlicher Unterschied zu den Besetzungen aus der Frühphase des akustischen Jazz, in der sich Bands immer wieder neu und anders gruppierten.

Werner Stiefele, 27.01.2018



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