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Edvard Grieg

Lyrische Stücke (Auswahl)

Leif Ove Andsnes

EMI 5 57296 2
(68 Min., 12/2001) 1 CD

Den beiden großen Gs, Gilels und Gould, ist es zu verdanken, dass der Klavierkomponist Edvard Grieg dem Schattendasein entkommen konnte. Wenngleich nur für kurze Zeit. Denn selbst seinem berühmtesten Zyklus der 66 "Lyrischen Stücke" hängt - im sich aufdrängenden Vergleich mit den prominenteren Medaillons von Mendelssohn, Chopin und Brahms - eine kompositorische Dünnatmigkeit an. Und der Vorwurf, Grieg habe oft nicht mehr als seine Kollegen kopieren wollen, wird tatsächlich nirgendwo ohrenfälliger als im op. 12/5, einer skandinavischen Mazurka.
Das alles weiß natürlich auch Leif Ove Andsnes. Auf große Entdeckerfahrt nach bislang unterschätzten Klavier-Geschichtchen geht er daher auch mit seiner Auswahl von 24 Stücken nicht. Andsnes formuliert Stimmungsbilder aus edler Melodik und koloristischen Fassetten. Und das auf dem bestens aufgelegten Steinway von Grieg, der für den straffen Zugriff von Andsnes wie geschaffen scheint. Womit schon die oberste Tugend dieser Aufnahme markiert ist.
Hier wird nichts verhuscht, gar in fantasievoll-elegische Watte gepackt. Eher wird die volkstümliche Ästhetik zum Gradmesser selbst in avancierten "Kunstmomenten" wie in dem tiefdunklen "Traumgesicht". Diese poetischen Leichtgewichte werden ebenso mit höchster Aufmerksamkeit angegangen wie der idyllische Ohrwurm "Hochzeitstag auf Troldhaugen", bei dem sich Griegs formelhafte Einfachheit in ein weiträumiges Gnomen-Lied verwandelt.

Guido Fischer, 11.04.2002



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