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Peter Tschaikowski, Dmitri Schostakowitsch, Sergei Rachmaninow

Saudade („Grand Sonata“ op. 37, Sonate Nr. 2, Vier Preludes)

Elisabeth Leonskaja

eaSonus/hm EAS 29330
(76 Min., 2/2017)

Dass Elisabeth Leonskaja, die vielleicht beste Schubert-Interpretin der Gegenwart, „mit Gefühl“ spielt und argumentiert, entspricht ihrer russischen Schule. Der neuen CD mit Tschaikowski und Schostakowitsch (plus Rachmaninows Preludes op. 3, Nr. 2, op. 32, Nr. 12, op. 23, Nr. 6 sowie der Elegie op. 3, Nr. 1) hat sie den Titel „Saudade“ verliehen. Merkwürdig. Was hätten die russischen Meister mit dem positiv konnotierten Weltschmerz zu tun, der in Portugal Ziel des Fado ist?!
Man kann das mutig nennen – oder auch ungenau. Leider führt die Beweislast, die sich Leonskaja mit ihrem Titel aufbürdet, zu einer melancholischen Angleichung der sehr unterschiedlichen Werke. Tschaikowskis „Grand Sonata“ op. 37, sein meistaufgenommenes Solo-Hauptwerk, spielt Leonskaja mit dunklem Durchblick und eher weichem Anschlag – reicht so aber an den nervösen Impetus eines Mikhail Pletnev oder an das Numinose bei Svjatoslav Richter nicht ganz heran. Stattdessen scheint Schostakowitschs 2. Sonate direkt dort anzuknüpfen, wo Tschaikowski aufgehört hat. Leonskaja spielt ihn als russischen Traditionalisten, als einen auf Konsistenz der Formensprache und psychologische Gefühlswerte erpichten Altmeister. Großartig! Und erstaunlich.
Bei Rachmaninow schließlich kann auch Leonskaja, mit gelegentlichem Pathos, die narrative Größe und Fantastik von dessen eigenen Einspielungen (die in drei Fällen existieren) nicht überbieten. Hier wirkt die sehnsüchtige Eintrübung wiederum nicht befreiend, sondern beschränkend. Man würde das Ganze vielleicht besser finden, hätte Leonskaja mit dem Titel der CD das Geheimnis ihres Konzepts nicht unnötig verraten.

Robert Fraunholzer, 27.01.2018



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