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N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



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Obsession

Céline Rudolph, Lionel Loueke

Obsessions/Membran OB234460
(48 Min., 2015)

08/15-Projekte sind nicht die Sache der Berliner Sängerin Céline Rudolph. In der Vergangenheit reiste sie für ihre Aufnahmen unter anderem nach Brasilien. Oder sie bestellte sich für ihre aufwendige Henri-Salvador-Hommage aus dem Jahr 2011 eine Streichersektion ins Studio und übersetzte die Stücke der französischen Chanson-Legende ins Deutsche. Mit ihrer neuen Einspielung macht Rudolph nun in mehrfacher Hinsicht einen Schnitt. Das Album ist das erste, das auf ihrer Plattenfirma „Obsessions“ herauskommt. Und dann bricht es auch noch radikal mit der Opulenz von Rudolphs bisherigen CDs, indem nur zwei Musiker zu hören sind, intim, spontan aufeinander reagierend. In „Obsession“, dem Titel der Aufnahme, ist eben auch das Wort „Session“ versteckt.
Aber was für ein Duo ist das! Mit dem aus Benin stammenden Lionel Loueke, dem Lieblingsgitarristen von Herbie Hancock, hat die Deutsch-Französin Céline Rudolph den perfekten Partner zum Ausleben ihrer stimmlichen Obsessionen gefunden. Beide eint nicht nur ein breiter multikultureller Hintergrund, sondern auch die Tatsache, dass sie singende Gitarristen beziehungsweise Gitarre spielende Sänger sind. Was dazu führt, dass die Musik auf „Obsession“ viel größer klingt, als man es von einem Duo erwarten würde.
Da begleitet Rudolph etwa Loueke auf der akustischen Gitarre, wenn er auf der elektrischen zu einem Solo ausholt, da sorgt Loueke mit gebrummten Basslinien und geschnalzten Beats dafür, dass plötzlich eine virtuelle Rhythmusgruppe im Raum steht. Rudolph, die in Westafrika Percussions studierte, steht ihm in dieser Hinsicht in nichts nach – und kann noch so viel mehr. Sie singt ihre luftigen französischen Chansons so, dass man nie wieder etwas von Carla Bruni hören möchte, ist in afrikanischen, brasilianischen und orientalischen Gesangstraditionen bewandert, weiß, wie man elektronische Verfremdungseffekte sinnvoll einsetzt, und improvisiert lustvoll und unerschrocken in einer eigenen Fantasie-Sprache.
Nun die Preisfrage: Wenn man eine derart komplette Sängerin mit einem der interessantesten Gitarristen der Jazzgegenwart koppelt – was kann da schief gehen? Richtig: Nichts.

Josef Engels, 03.02.2018



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