Responsive image

Obsession

Céline Rudolph, Lionel Loueke

Obsessions/Membran OB234460
(48 Min., 2015)

08/15-Projekte sind nicht die Sache der Berliner Sängerin Céline Rudolph. In der Vergangenheit reiste sie für ihre Aufnahmen unter anderem nach Brasilien. Oder sie bestellte sich für ihre aufwendige Henri-Salvador-Hommage aus dem Jahr 2011 eine Streichersektion ins Studio und übersetzte die Stücke der französischen Chanson-Legende ins Deutsche. Mit ihrer neuen Einspielung macht Rudolph nun in mehrfacher Hinsicht einen Schnitt. Das Album ist das erste, das auf ihrer Plattenfirma „Obsessions“ herauskommt. Und dann bricht es auch noch radikal mit der Opulenz von Rudolphs bisherigen CDs, indem nur zwei Musiker zu hören sind, intim, spontan aufeinander reagierend. In „Obsession“, dem Titel der Aufnahme, ist eben auch das Wort „Session“ versteckt.
Aber was für ein Duo ist das! Mit dem aus Benin stammenden Lionel Loueke, dem Lieblingsgitarristen von Herbie Hancock, hat die Deutsch-Französin Céline Rudolph den perfekten Partner zum Ausleben ihrer stimmlichen Obsessionen gefunden. Beide eint nicht nur ein breiter multikultureller Hintergrund, sondern auch die Tatsache, dass sie singende Gitarristen beziehungsweise Gitarre spielende Sänger sind. Was dazu führt, dass die Musik auf „Obsession“ viel größer klingt, als man es von einem Duo erwarten würde.
Da begleitet Rudolph etwa Loueke auf der akustischen Gitarre, wenn er auf der elektrischen zu einem Solo ausholt, da sorgt Loueke mit gebrummten Basslinien und geschnalzten Beats dafür, dass plötzlich eine virtuelle Rhythmusgruppe im Raum steht. Rudolph, die in Westafrika Percussions studierte, steht ihm in dieser Hinsicht in nichts nach – und kann noch so viel mehr. Sie singt ihre luftigen französischen Chansons so, dass man nie wieder etwas von Carla Bruni hören möchte, ist in afrikanischen, brasilianischen und orientalischen Gesangstraditionen bewandert, weiß, wie man elektronische Verfremdungseffekte sinnvoll einsetzt, und improvisiert lustvoll und unerschrocken in einer eigenen Fantasie-Sprache.
Nun die Preisfrage: Wenn man eine derart komplette Sängerin mit einem der interessantesten Gitarristen der Jazzgegenwart koppelt – was kann da schief gehen? Richtig: Nichts.

Josef Engels, 03.02.2018



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Auf so eine Idee muss man erst mal kommen: Darius Milhauds 14. und 15. Streichquartett lassen sich einzeln oder aber gleichzeitig spielen – als Streichoktett. Dieses absurd anmutende Pasticcio-Projekt kann man auf dieser Milhaud-CD des Quatuor Parisii nachhören, das sich für die Oktett-Version Verstärkung durch das Quatuor Manfred geholt hat. Zunächst spielen die Musiker das Octuor à cordes op. 291, danach einzeln die Quatuors Nr. 14 und 15, die ebenfalls die Opuszahl 291 tragen. Ein […] mehr »


Top