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Jean-Baptiste Lully, Jean-Philippe Rameau, Charles Ives, Maurice Ravel u.a.

Sounds Of Transformation

David Greilsammer, Yaron Herman, Ziv Ravitz, Geneva Camerata

Sony Classical 19075812392
(77 Min., 9/2016)

Der Pianist und Dirigent David Greilsammer hat schon immer ein großes Herz für ausgefallene Programmzusammenstellungen bewiesen, wenn er Barockes mit Zeitgenössischem, etwa Scarlatti mit Cage kombinierte. „Können wir die Musik der Vergangenheit mit denselben Ohren hören, wenn daneben die Musik und das Denken der Gegenwart stehen?“, lautet die Ur-Frage, mit der sich Greilsammer ständig beschäftigt. Auch viele seiner Kollegen mögen sich schon diese Frage gestellt haben, denn mittlerweile ist es schon fast zur Mode geworden, die Schnittstellen zwischen Alter und Neuer Musik sowie dem Jazz auszuloten. Doch bei Greilsammer ist es eben nicht nur der Spaß am Spiel mit den unterschiedlichsten Elementen und Stilen, der seine Alben und Live-Projekte so besonders macht. Seine musikalischen Brückenschläge entwickeln sich stets zu musikhistorisch substanziellen Dialogen, denen man nicht nebenbei, sondern einfach intensiv zuhören sollte. Und es zahlt sich aus, wie nun auch Greilsammers Album „Sounds Of Transformation“ beweist.
Auf den ersten Blick ist das Konzept ziemlich klar. Statt verjazzten Bach gibt es jetzt handverlesene Orchesterstücke aus Opern französischer und englischer Barockmeister wie Jean-Baptiste Lully, Jean-Philippe Rameau und Henry Purcell mal im Original und dann im Jazz-Arrangement. Zwischendurch präsentiert Greilsammer von cool bis fiebrig brodelnd das auch vom Blues infizierte Klavierkonzert von Ravel, der sich bekanntermaßen immer wieder für die französische Barockklangsprache interessierte. Dass „Sounds Of Transformation“ aber eben mehr ist als nur ein weiteres Klassik-Jazz-Projekt, dafür haben die Beteiligten vor und hinter den Mikrofonen gesorgt. Die beiden Arrangeure Massimo Pinca und Jonathan Keren haben in ihren musikalischen Doubletten nicht einfach den Schalter auf Bigband-Sound gestellt (den die Geneva Camerata übrigens gleichermaßen glänzend beherrscht wie den Alte Musik-Furor); vielmehr erklingen die Barockstücke dank der beiden renommierten Jazz-Musiker Yaron Herman (Klavier) und Ziv Ravitz (Drums) in unterschiedlichsten, anspruchsvollen Neuinterpretationen zwischen Modern Jazz und völlig abstrakt wirkendem Klangmobile. Einer der vielen Höhepunkte von „Sounds Of Transformation“ stammt zudem von Charles Ives: In der von Jonathan Keren bearbeiteten Fassung heißt sein klangphilosophisches Manifest „The Unanswered Question“ nun „Ives Asks The Moon“ und erkundet als eine Art Ballade für Klavier und Orchester ganz vorsichtig Klangräume, die so noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat.

Guido Fischer, 10.02.2018



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