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N° 1290
28.01. - 03.02.2023

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am 04.02.2023



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The Study Of Touch

Django Bates' Belovèd

ECM/Universal 5732663
(57 Min., 6/2016)

Niemals im Leben würde er ein Piano-Trio gründen, schwor sich der britische Multiinstrumentalist Django Bates. Schließlich sei mit Bill Evans, e.s.t. und The Bad Plus in dieser Konstellation im Jazz schon alles gesagt. Doch dann hörte Bates im Kopenhagener Rythmisk Musikkonservatorium seine Mit-Dozenten Petter Eldh (Bass) und Peter Bruun (Schlagzeug) spielen – und schon war es vorbei mit den guten Vorsätzen.
Zum Glück. Sonst wären der Welt einige der schrägsten Bearbeitungen von Charlie-Parker-Stücken entgangen, die die Spezialität des Trios bei seinen ersten beiden Aufnahmen war. Auf „The Study Of Touch“ lässt Bird nun nur noch einmal kurz grüßen, in der mit heftigen N-Tolen-Verwirrspielen gespickten Version von „Passport“. Der Rest der Aufnahme fand – mit Ausnahme der Iain-Ballamy-Ballade „This World“ – seinen kompositorischen Ursprung im herrlich krausen Kopf von Bates.
Es ist bemerkenswert, wie die beiden skandinavischen Begleiter die ins Kraut schießenden Ideen des Briten mit feinen Beckenstrichen und extrem auf den Punkt gesetzten Basstönen erden, ohne dass die Musik an Originalität und Irrsinn einbüßen würde. Das ist keine leichte Sache, schließlich dreht Bates ständig an sämtlichen Reglern der musikalischen Parameter: Er experimentiert etwa mit sich auf- und abwärts bewegenden Tonhöhen wie in den Nummern „Sadness All the Way Down“ und „Happiness All the Way Up“ an Anfang und Ende des Albums, schraubt an der Dynamik oder lässt die Zählzeiten ähnlich zerfließen wie Dalís berühmte Uhr.
Bestes Beispiel für Letzteres ist „We Are Not Lost, We Are Simply Finding Our Way“, ein Stück, das schwankt wie ein Betrunkener im Pub und beim Hören so etwas wie Seekrankheit entstehen lässt. Es wäre aber grundfalsch, die Musik auf „The Study Of Touch“ bloß mit dem Etikett „britischer Humor“ zu versehen. Denn dafür ist die unschuldige Liebe von Bates' Belovèd zu alten Broadway-Melodien oder zu Oscar Peterson, die zwischen den Zeilen durchscheint wie eine freundliche Sonne, eine viel zu ernste Sache. Ein tiefsinniger Spaß für Leute, denen nicht schnell schwindelig wird.

Josef Engels, 17.02.2018



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