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Giuseppe Verdi

The Verdi Album

Sonya Yoncheva, Münchner Rundfunkorchester, Massimo Zanetti

Sony 88985417982
(55 Min., 4-11/2017)

Was ist denn da passiert? War es nur ein schlechter Moment? Aber dann hätte man diesen Track nicht veröffentlichen sollen: Schon in den ersten Takten der Leonora-Arie „Tacea la notte placida“ aus Giuseppe Verdis „Trovatore“ klingt die Stimme von Sonya Yoncheva wackelig, verspannt, schlimmer noch, ausgeleiert und ältlich. Weitschwingende Legato-Phrasen geraten zum kaum ausbalancierten Tanz auf dem Stimmseil mit flackernder Amplitude, hohe Töne kommen angestrengt. Nein, das klingt nicht schön, die Callas am Ende ihrer Karriere hörte sich so ähnlich an. Aber bei einer über den Zeitraum von fünf (!) Aufnahmemonaten für neun Arien kontinuierlich 36 Jahre alten Sopranistin überrascht dieses Audio-Ergebnis. Dabei hätte die schlicht „The Verdi Album“ benannte dritte Solo-CD der sympathischen, freilich schon überehrgeizige Primadonnen-Allüren entwickelnden Bulgarin eine besonders prächtige Visitenkarte werden sollen – nach einem französischen Konzeptalbum und einer Händel-Reminiszenz an ihre Jugendzeit unter William Christie.
Nach der ersten Enttäuschung geht es etwas besser mit Entlegenerem weiter; aus „Luisa Miller“ gibt es nur deren Gebet aus dem zweiten Akt, nicht die Cabaletta; von der Killerpartie Odabella („Attila“) bleibt die lyrische Romanze des ersten Akts. Auch die „Stiffelio“-Szene absolviert Yoncheva unspezifisch. Das innig gestaltete Gebet der Desdemona gehört zur einzigen Partie dieser CD, die sie bisher auch auf der Bühne gesungen hat, und es ist fast der beste Ausschnitt. „Pace! Pace, mio Dio!“ aus der „Forza“ singt Sonya Yoncheva kurzatmig und umwölkt, für das heikle „Come in quest’ora bruna“ der „Boccanegra“-Amelia fehlt es an Klarheit und Ruhe. Eher buchstabiert wirken die großen Szenen der Elisabetta aus dem „Don Carlo“ und der „Nabucco“-Abigaille, die wohl nie von ihr auf die Bühne kommen wird. Wenig Halt bietet da der pauschale Massimo Zanetti mit dem versierten Münchner Rundfunkorchester.

Matthias Siehler, 17.02.2018



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