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Wolfgang Amadeus Mozart

Klaviersonaten

Maxim Emelyanychev

Aparté/harmonia mundi AP161
(59 Min., 3/2017)

Man kann wahrlich nicht behaupten, dass der Klang des nach einem Vorbild von Anton Walter (1792) gebauten McNulty-Fortepianos die Ohren umschmeichelt: Das Instrument, das Maxim Emelyanychev für sein vorliegendes Mozart-Rezital verwendete, hat ein raues, relativ hartes, gleichzeitig sehr direktes und insistierendes Timbre. Der Kopfsatz der c-Moll-Sonate entfaltet unter diesen Bedingungen eine Dramatik, die ihn überraschenderweise in die Sphäre Beethovenscher c-Moll-Sätze rückt. Umso überraschender die vergleichsweise weiche, liebliche Aura, die den Kopfsatz der C-Dur-Sonate umweht, die den Beinamen „Facile“ trägt: Im Vergleich der Interpretationen dieser beiden sehr gegensätzlichen Stücke zeigt sich somit vor allem das Können Emelyanychevs im Umgang mit dem Instrument, das beim Rezensenten nun fast eine Liebe auf den zweiten Blick entfacht.
Diese Emotion wird nur gestört von der Frage, ob man „die C-Dur-facile“, jenes unzählige Male von Klavierschülern bei Klassenvorspielen malträtierte Werk, überhaupt in ein solches Rezital aufnehmen darf – eine dumme Frage sicherlich, denn das Stück ist ja aufgrund seiner Rezeptionsgeschichte kein weniger wertvolles, zumal wenn es so entwaffnend schlicht und im Detail doch auch raffiniert ausgestaltet wird wie auf dieser CD. Neue Eindrücke gibt es dann wieder beim Kopfsatz der D-Dur-Sonate KV 576: Weder der barockisierende Gestus noch der Gegensatz von nackten Oktaven und lieblichen Repliken in Diskantlage führen erneut zu solchen klanglichen Härten wie anfangs im c-Moll-Satz zu erleben. Kein Zweifel: Diese hörenswerte CD ist – auch – eine Lehrstunde über die Weite des Ausdrucksspektrums eines historischen Fortepianos.

Michael Wersin, 17.02.2018



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