home

N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



Responsive image

Descansado – Songs For Films

Norma Winstone

ECM/Universal 5786989
(48 Min., 3/2017)

Immer wieder wird der Niedergang der Filmmusik beklagt. Das Mainstreamkino klatscht gerne Massenware aus den Charts auf die Tonspuren, und wenn es ausnahmsweise mal einen eigenen Soundtrack gibt, hört man statt einprägsamer Melodien meist bloß nebulös wabernde Atmosphärengeschmacksverstärkung.
Norma Winstone, die in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gekrönte Queen des europäischen Jazzkammergesangs, erinnert mit ihrer neuen Aufnahme an die guten alten Zeiten. Dafür braucht die 76-Jährige kein Filmorchester, sondern verlässt sich auf ihre langjährigen Partner, den italienischen Pianisten Glauco Venier und den deutschen Sopransaxofonisten/Bassklarinettisten Klaus Gesing. Zu dem eingespielten Dreierbund treten hier und da der norwegische Perkussionist Helge Norbakken und der italienische Cellist Mario Brunello.
Eine gute Casting-Entscheidung: Sie bringen das für seine fragilen Melancholie-Erzeugnisse bekannte Trio zum Tanzen. Etwa im Titelstück „Descansado“ aus dem 1963 entstandenen Vittorio-de-Sica-Film „Gestern, heute und morgen“, dem Norbakken eine gewisse Bossa-Anmutung verleiht. Oder in „Merrytown Hall“ aus der „Stolz und Vorurteil“-Verfilmung von 2005, das sich in einen regelrechten Jig verwandelt (wobei Winstones Vokalisen ein wenig forciert fröhlich wirken).
So finden Winstone, Venier und Gesing bei ihren „Songs For Films“ aus der Feder von Komponisten wie Michel Legrand, Nino Rota oder Ennio Morricone ein gutes Gegengewicht. Gleichwohl sind es die Miniaturen, die am meisten zu Herzen gehen. In ihren Versionen von „Malena“, „Il Postino“ oder „Touch Her Soft Lips“ (aus Laurence Oliviers „Henry V“) können die drei ihre Stärken voll ausspielen: Die makellose Intonation auch bei großen Intervallsprüngen, das intime Zwiegespräch, die tiefe Lebensweisheit. Letztere offenbart sich in Winstones Texten zu den ursprünglich instrumentalen Songs, sie handeln von Verlust, Einsamkeit und Trauer, ohne jemals falsch gefühlig zu werden. Mit ihren Lyrics gelingt es der Sängerin, einen ganz neuen Film vor dem inneren Auge des Zuhörers entstehen zu lassen. Im Kopfkino gewesen. Geweint.

Josef Engels, 24.02.2018



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Zum Warmwerden: Von Tenören, die gerne auf der Rasierklinge zwischen Kunst und Kommerz reiten, ist es ja bekannt. Das aber auch Instrumentalisten „ihr“ Weihnachtsalbum aufnehmen, hat Seltenheitswert. Zumal, wenn es auch noch so glückt wie im Fall des Harfenisten Xavier de Maistre. Der verbindet gleich mehrere Programmideen. So ist dieses Album nämlich nicht nur Begleitmusik fürs Weihnachtszimmer, sondern auch eine Verneigung vor einem großen Kollegen unter den Konzertharfenisten, […] mehr


Abo

Top