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Sergei Rachmaninow

24 Préludes

Nikolai Lugansky

harmonia mundi HMM 902339
(82 Min., 9/2017)

Was könnte einen ausgewiesenen Rachmaninow-Spezialisten wie Nikolai Lugansky dazu bewogen haben, ein Wunsch-Rezital mit seinen „Lieblingsstücken“ dieses Komponisten ausgerechnet mit dem verrufenen cis-Moll-Prélude zu beginnen – jenem Flohwalzer für Fortgeschrittene, den (bzw. dessen ersten Teil) jeder zu klimpern versucht, der irgendwann einmal ein bisschen Klavierunterricht gehabt hat?
Mit dieser Frage sind wir mitten im Thema: Es ist nicht die Schuld von Rachmaninow, dass heutzutage weite Teile seines Werks, darunter das besagte Stück, von „ernsthaften“ Klassik-Fanatikern abgelehnt werden: Dass er weit ins 20. Jahrhundert hinein nicht nur tonal, sondern ungehemmt spätromantisch komponiert hat, weil er so empfand, muss er nicht gegenüber Th. W. Adorno oder Pierre Boulez rechtfertigen. Dass sein cis-Moll-Prélude von jedermann adaptiert und missbraucht wird, ist ebenfalls nicht sein Problem. Nikolai Lugansky versöhnt mit dem vorliegenden Rezital hoffentlich auch Skeptiker dieses Repertoires – durch die Qualität seines Spiels. Seine technische Agilität (wer ihn live gesehen hat, staunt über die burschenhafte Jugendlichkeit des Mittvierzigers) geht einher mit einer geistigen Beweglichkeit. Beides zusammen befähigt ihn zu einer fulminanten Wiedergabe dieser teils sehr bekannten, teils auch selten zu hörenden Stücke, deren oftmals komplexe Satzstruktur Lugansky optimal zu beleuchten und transparent zu machen versteht, ohne dabei den faszinierenden Reiz mal perlender, mal donnernder Virtuosität leugnen zu müssen. Hinzu kommt eine einzigartige Delikatesse der interpretatorischen Feinheiten, der Rubati und Sostenuti, des mundgerechten Servierens zahlloser reizvoller Details, die nur ein profunder Kenner dieser Stücke so brillant jeweils vor dem Hintergrund des Ganzen präsentieren kann.
In diesem Sinne gelingt Lugansky auch von dem gefürchteten cis-Moll-Prélude eine ganz individuelle Darbietung, die durch Transparenz und perfektes Timing besticht. Kurzum: eine CD für Rachmaninow-Liebhaber und solche, die es werden sollten – Verzeihung: wollen.

Michael Wersin, 24.02.2018



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