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Johann Sebastian Bach

Musikalisches Opfer

Bach Collegium Japan, Masaaki Suzuki

BIS/Klassik Center BISSACD2151
(72 Min., 8/2016) SACD

Bach, der Kontrapunkt-Fanatiker: Mit seinem „Musikalischen Opfer“, das er Friedrich II. mit Widmung nachsandte, nachdem er bei seinem persönlichen Auftritt in Berlin mit der eigenen Improvisationsleistung nicht zufrieden war, liefert er eine Tour de force des polyphonen Satzes, die dem König in ihrer fast schmerzhaften Dichte vermutlich nicht allzu viel Freude gemacht hat. Es ist die kompositorische Rache eines vom barocken Weltbild und seinem Spiegelbild in der Musik zutiefst Überzeugten für das „königliche Thema“, das Friedrich ihm wohl auf der Traversflöte vorgespielt hat: Das Thema klingt mit seiner exzessiven Chromatik zwar ungemein barock, eignet sich aber gar nicht für eine Verarbeitung zur Fuge. Bach behilft sich mit einem kunstvollen Geflecht aus Gegenstimmen, die sich durch die verschiedenen Sätze hindurch um das permanent präsente Königsthema ranken.
Masaaki Suzuki und einige ausgewählte Musiker seines japanischen Ensembles zelebrieren das „Musikalische Opfer“ mit viel Liebe zum Detail ungeheuer warm timbriert und sowohl hinsichtlich seiner klanglichen Möglichkeiten wie auch in puncto kontrapunktische Komplexität liebevoll durchgestaltet. Man bemerkt an allen Ecken und Enden (den „loose ends“, mit denen die Kanons per fade out verklingen) die profunde Kenntnis des Bach-Stils, erworben im Studieren und Spielen faktisch sämtlicher Werke des Thomaskantors.
Was kann man noch anfügen, wenn man sonst schon alles gemacht hat? Die vierzehn Kanons BWV 1087 etwa über die ersten acht Töne des Basses der „Goldberg-Variationen“, die erst 1974 ans Tageslicht gekommen sind: Harmlos beginnend, verdichten auch sie sich durch Hinzufügung von Gegenstimmen zu ungeheurer Komplexität. Eine CD, die gleichzeitig begeistert und ehrfürchtig macht.

Michael Wersin, 03.03.2018



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