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N° 1290
28.01. - 03.02.2023

nächste Aktualisierung
am 04.02.2023



Nicht dass früher grundsätzlich alles besser gewesen wäre - aber eine Sängerinnen-Karriere wie die von Kirsten Flagstad (1895-1962) ist in der heutigen Zeit doch eher eine Seltenheit: Wie selbstverständlich entfaltete sich das Talent der berühmten norwegischen Sopranistin auf dem fruchtbaren Boden einer musikalischen Familie; ihre von Natur aus offenbar recht unproblematische Stimme rückte erst relativ spät in den Mittelpunkt ihres Interesses, davor widmete sie sich mehr dem Klavierspiel. Zufällig hörte eine umsichtige Gesangspädagogin Kirstens Gesang im familiären Kreis und sorgte dafür, dass das noch unbehauene Material auf eine gute technische Basis gestellt wurde. Es folgte eine fast 20-jährige, vor allem nationale Karriere, in der Flagstads spätere Domäne des Wagner-Gesangs nur ganz am Schluss eine Rolle spielte; zunächst waren es viele lyrische Partien und auch Operettenrollen, mittels derer die Stimme in Ruhe reifen konnte.
Fast gegen Kirsten Flagstads Willen wurde 1933 Bayreuth auf sie aufmerksam; sie hatte zu dieser Zeit eigentlich schon ans Aufhören gedacht. Die nun beginnende zweite Hälfte ihrer Karriere, nun interkontinental und an den größten Häusern, dauerte wiederum fast zwanzig Jahre und ist der weitaus bekanntere Teil ihres Sängerlebens. Als sie 1948 bzw. 1952 die vorliegenden Lieder von Grieg und Dørumsgaard aufnahm, befand sie sich im sechsten Lebensjahrzehnt; 1952 hatte sie sich gar schon offiziell von der Bühne verabschiedet. Dennoch hören wir eine nahezu unversehrte, volltönend-dunkle, charaktervolle Stimme, deren einzige Schwäche das gelegentlich zu tiefe Intonieren ist - eine Eigenschaft, die mit der Größe des Materials zusammenhängen mag. Die teilweise für Kirsten Flagstad komponierten Lieder des 1921 geborenen Arne Dørumsgaard, die sie gemeinsam mit Gerald Moore aufnahm - was hat dieser großartige Begleiter nicht gespielt! -, sind bei uns nicht bekannt geworden. Ebenso wie Griegs Lieder atmen sie skandinavisches Lokalkolorit in Gestalt schwermütig-melancholischer, modal gefärbter Melodien und sind als sehr selten aufgeführtes Repertoire sicher eine Bereicherung für jeden Freund des Liedgesangs.

Michael Wersin, 15.03.2003



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