Responsive image

Salvation

Wanja Slavin Lotus Eaters

WhyPlayJazz/NRW RS035
(39 Min., 1, 3 & 9/2017)

Wer Lotusblüten isst, hört auf – so berichtet Homer in der Odyssee –, sich um die Heimfahrt zu kümmern; stattdessen möchte er einfach das Dasein genießen. Denn einige Sorten der Pflanze verfügen – so ist in einschlägigen aktuellen Foren nachzulesen – über psychoaktive Substanzen. Denkt Wanja Slavin daran, oder ließ er sich vom gleichnamigen britischen Spielfilm über heroinsüchtige Kids inspirieren?
Wie dem auch sei: Seine „Lotus Eaters“-Sextette versprechen „Salvation“, also Erlösung oder Seelenrettung. Hierfür setzt er drei verschiedene Besetzungen ein. Dabei wurden der Trompeter, der Kontrabassist und der Schlagzeuger je nach Erfordernissen der Stücke ausgetauscht. Lediglich Slavin selbst, der Tenorsaxofonist Philipp Gropper und der Pianist Rainer Böhm sind in allen sieben Stücken zu hören.
Im Titelsong reiben sich über einem dunklen Fundament der Klang von Slavins Altsaxofon an dem von Philipp Groppers Tenorsaxofon und Tom Arthurs Trompete, bis deren Melodien in hingepiepsten Tupfern verfließen. Die folgenden drei Titel greifen die Atmosphäre des Psychedelic Pop aus den 1960ern auf. Die nunmehr mit dem Trompeter Erik Kimestad Pedersen, dem Elektro-Bassisten Bernhard-Meyer und dem Drummer Nasheet Waits besetzte Band mengt etwas Zappa ins Geschehen, aber auch eine Spur der frühen Weather Report und verdichtet dies über einem ebenfalls von dunklen Klängen geprägten Fundament.
Das erste Stück im dritten Block, gespielt von der dritten Band-Variante mit Pedersen, dem Bassisten Petter Eldh und dem Schlagzeuger Ivars Arutyunyan, wirkt agiler, hippeliger und driftet auch in Bereiche mit elektronisch verzerrten Klangstrukturen ab. In der folgenden Ballade „Moonlight Becomes You“ ist von klanglicher Verfremdungslust nichts zu spüren, und der finale „Love Song“ erzählt eher von unzähligen Annäherungsversuchen als von romantischer Übereinstimmung. Aber das ist das Konzept: In jedem der sieben Stücke brechen die drei Varianten der Wanja Slavin Lotus Eaters die jeweiligen Konventionen auf.

Werner Stiefele, 03.03.2018



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Mit Leidenschaft: Zwischen Beethoven- und Schumann-Haus in der Bonner Brahmsstraße aufgewachsen – damit ist das Programm von Fabian Müllers neuer CD umrissen. Unter dem Titel „Passionato“, entlehnt von Ludwig van Beethovens Dauerbrenner-Klaviersonate und Expressivitätsgipfelwerk, bricht sich hier die Erregung, ja gar die aufgestaute Corona-Wut Bahn. In auftrittsarmen Zeiten bleibt freilich nur der diskografische Weg zum Ausdruck des eigenen Pianisten-Ichs. Es würde aber auch nicht […] mehr »


Top