Responsive image
Edvard Grieg, Robert Schumann

Klavierkonzerte

Leif Ove Andsnes, Berliner Philharmoniker, Mariss Jansons

EMI 557 486-2
(59 Min., 12/2002) 1 CD

Im Fußball klappt das ja nicht immer: Man nehme einige Stars, bringe sie zusammen, und schwups, der Erfolg stellt sich von selber ein. Auch musikalische Vereinigungen können davon berichten: Zu weit liegen manchmal die interpretatorischen Ansätze und Vorstellungen der Beteiligten auseinander. Nicht so im vorliegenden Falle. Mit Leif Ove Andsnes, Mariss Jansons und den Berliner Philharmonikern scheinen sich die geeigneten Partner gefunden zu haben, um zwei (im Grunde ausgiebig genug betrachtete) Standardwerke der Romantik gemeinsam anzugehen – die Klavierkonzerte von Edvard Grieg und Robert Schumann in a-Moll.
Keine Sensation, das gewiss nicht, dafür ist der Ansatz zu kontrolliert, zu seriös. Aber vor allem Griegs Opus gewinnt durch den gleichermaßen leidenschaftlichen wie klanglich facettenreichen Zugang aller Beteiligten an Trennschärfe, an dramatischer Qualität. Andsnes beherrscht die Kunst der (auch rhythmisch motivierten) Widersprüche, seine hohe Anschlagskultur erfasst den dem Werk innewohnenden Antagonismus (hier energisches Aufbegehren, dort die leise, lyrisch gefärbte Sehnsucht) bis in den letzten Winkel. Großartig aber in der Tat gerät das Finale, ein Allegro moderato molto e marcato. Hier lässt der Norweger Andsnes virtuos, aber nie oberflächlich die Peer-Gynt-Puppen tanzen: koboldhaft, satyrhaft, wie phantastische Gestalten. Bei Schumann hingegen waltet über weite Strecken gemessene Noblesse. Die melodiöse Seite des Klavierkonzerts steht deutlich im Vordergrund – eine Kunst, die kaum jemand so beherrscht wie die Berliner Philharmoniker. Zumal die Holzbläser sind ein Genuss. Mithin unbedingt hörenswert.

Tom Persich, 20.09.2003



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Ahnengalerie: Im Wien der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat man es schon schwer als Komponist. Mozart, Beethoven, Schubert – übermächtig liegt auf allen Gattungen der Glanz der Heroen, die den klassischen Kanon geschaffen hatten. Was kann man dem noch hinzufügen? Johannes Brahms, dem man oft melancholisches Zaudern unterstellte, setzte sich in Wirklichkeit besonders lange und eingehend mit diesen Vorbildern auseinander, bevor er seinen Beitrag stimmig empfand. So ist sein Werk […] mehr »


Top