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Johann Sebastian Bach

Messe h-Moll

Les Arts Florissants, William Christie

harmonia mundi HAF 8905293.94
(105 Min., 8/2010) 2 CDs

Es ist eine Live-Aufnahme, okay – aber sie sollte dennoch mit den Standards mithalten können, die ein mittlerweile so häufig eingespieltes Werk von namhaften Interpreten fordert. Unsauber singende oder dem Orchester leicht hinterher klappernde (Profi-)Chortenöre, sich im Timbre beißende Männer- und Frauenstimmen im Chor-Alt kann man vielleicht teilweise mit der Live-Situation entschuldigen. Anders verhält es sich mit der faden Legato-Praxis, die gleich zu Beginn das eigentlich so spannungsreiche Thema der ersten Kyrie-Fuge sträflich verharmlost. Ähnlich lasch beginnt und verläuft (im doppelten Wortsinne) die große Gloria-Fuge: Es klingt, als habe Bach Besuch von David Hamilton bekommen.
Einen teils deutlich besseren Eindruck vermitteln die Solo-Nummern: Die gliedernde Phrasierung der Melodik durch die Sprache gelingt den Soliloquenten oft besser, und im Orchester hört man das hervorragend kommunikative Improvisieren der Continuo-Organistin Marie van Rhijn (Christie selbst ist nur in einigen wenigen Sätzen zusätzlich als Cembalist tätig). Allerdings stören schon im „Domine-Deus“-Duett nun auch auf solistischer Ebene vokale Unsauberkeiten.
Im „Credo“-Teil verwundert die merkwürdig rabiate Herangehensweise an das „Crucifixus“: Die brutalen Akzente in den Streicherstimmen, welche dann die eigentlich mit den Geigen korrespondierenden Traversflöten völlig überdecken, verursachen fast schon so heftiges Kopfschütteln wie der am (ohne jede Raffinesse gestalteten) Ende desselben Satzes von Christie eigenmächtig hinzugefügte, lächerlich platte Quartvorhalt im Chorsopran. Hier endet das Interesse des Rezensenten an dieser Einspielung.

Michael Wersin, 17.03.2018



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