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Edvard Grieg, Jean Sibelius

Orchesterlieder

Karita Mattila, City of Birmingham Symphony Orchestra, Sakari Oramo

Warner 8573 80243-2
(58 Min., 11/2001) 1 CD

Allzu sonnige Happiness-Gemüter sollten die Finger von dieser Platte lassen. Malen die beiden bekanntesten skandinavischen Tonsetzer hier doch weitgehend eine Welt voller Schwermut, verlorener Liebesmüh und natur- und lebensherbstlichem Abschied. Das gilt auch und gerade für das zunächst recht märchenhaft-lustig scheinende Sujet von der Entstehung der Welt aus einem Entenei; aber schon die Tatsache, dass Sibelius die Verse seiner Tondichtung ”Luonnotar” für Sopran und Orchester der ersten Rune des finnischen Nationalepos ”Kalevala” entnommen hat, verweist auf die archaisch-beklemmende nordische Mythenwelt. Die Tonsprache, mit der Sibelius das Drama der einsamen Jungfrau der Lüfte inszeniert, die ins Meer hinabsteigt und einer verzweifelten Ente zu helfen sucht, die nur auf Luonotaars Knien ihr Nest bauen kann - mit Eiern, die Luonataar ins Meer wirft und aus deren zerborstenen Schalen Himmel, Mond und Sterne entstehen -, diese Art zählt zu den ”schwärzesten” im nicht eben fröhlichen Schaffen des Nordlichtes.
Das kurze Drama fordert denn auch von der Solistin ein Ausmaß an Leidenschaft und Hingabebereitschaft, die an die Grenze des sängerisch Machbaren geht. Karita Mattila meistert dies auf bestechende Art. Ihre Fähigkeit, sich in die Gefühlswelt ihrer heimatlichen Mythologie einzuleben, macht aus nahezu jedem dieser Orchesterlieder Bühnendramen en miniature. Und ihr klangfarblich eminent breit variierender und machtvoll ausladender Sopran gewährt ihr die nötigen technischen Mittel dazu.
Über die beiden allzu bekannten Solveig-Lieder aus "Peer Gynt" muss man keine Worte mehr verlieren. Nicht minder typisch in ihrem elegisch-melancholischen Ton kommt ”En Svane” und das schlichte ”Erste Begegnen” daher, das erst vor einigen Jahren in der Bergener Bibliothek aufgefunden wurde. Aus dem Rahmen fällt das "Fra Monte Pincio", mit dem Grieg seinen Aufenthalt im klimatisch so fernen Rom auf volkstümlich-ausgelassene Art verarbeitet hat. Auch Sibelius’ ”Sancta Maria” stellt eine Ausnahme dar - in negativer Hinsicht, denn es sucht mit fremden, puccinihaften Mitteln aufzutrumpfen. Ansonsten aber betört und wirkt gerade seine karge Orchestersprache. Vor allem, wenn sie, wie von Sakari Oramo, auf diese minutiöse Weise ausgelotet wird. So lässt einen der dunkle Streicher- und Holzbläserchor aus Birmingham nicht selten das satt-feuchte Moos und die tief hängenden nordischen Wolken geradezu auf der Haut spüren.

Christoph Braun, 29.05.2004



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