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Sergei Prokofjew

Romeo und Julia, op. 64 (Gesamtaufnahme)

Baltimore Symphony Orchestra, Marin Alsop

Naxos/Naxos 857353435
(144 Min., 10/2015) 2 CDs

Ob in Form der offiziellen zwei Suiten, als selbst zusammengestellte Best-of-Folge oder als komplette, himmelhoch-jauchzend-zu-Tode-betrübte Liebesgeschichte: Sergei Prokofjews meisterlich in Noten erzählte „Romeo und Julia“-Ballettpartitur ist ein meist sehr gut behandelter All-Zeit-Favorit unter Dirigenten jeglicher Couleur. Und es passt natürlich, dass Marin Alsop nach ihrem weltweit gelobten, motorisch straffen wie melodisch leuchtenden sinfonischen Prokofjew-Zyklus nun bei ihre Stammfirma auch das über zweistündige Shakespeare-Tanzspektakel folgen lässt. Wieder erweist sich ihr Baltimore Symphony Orchestra als bestens eingespielter Klangkörper, ausgeglichen, farbenreich, entspannt und schön nuanciert tönend. Dessen Brillanz und Fülle wurde auch von einer klaren, durchsichtigen Technik fein eingefangen. Und Alsop kann hier die ganze Orchesterpalette einsetzen für die überbordende Fröhlichkeit der Karnevalsszenen, die düstere Feierlichkeit der Balltänze, die flirrende Virtuosität Romeos und seiner Freunde, die zarten jungmädchenlyrischen Motive Julias, Tybalds Boshaftigkeit, den rustikalen Witz der Amme und die Milde des Pater Lorenzo, die Schärfe der Fechtereien, den Schmerz der Lady Capulet, das Zirpen der Madolinenmädchen, die großen Zweisamkeitsgefühle, die melancholische Verlorenheit in der Gruft. Zu diesen Tempi würde sich auch schön tanzen lassen, fast natürlich pocht der Rhythmus, weil Alsop ein menschliches Maß wahrt und das dankbare Stück nicht zum Showpiece überzüchtet. Zudem erlaubt sie ihren Musikern, insbesondere Flöte und Oboe, in den vielen, abwechslungsreichen Solostellen zu glänzen, ohne sie isoliert auszustellen. So wir die Dirigentin hier zur perfekten Tanzmeisterin.

Matthias Siehler, 24.03.2018



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