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Oslo

Michael Wollny Trio

ACT/Edel 1098632ACT
(58 Min., 9/2017)

Ist 40 das neue 80? Zu dem Schluss könnte man kommen, wenn man sich die Aktivitäten rund um Michael Wollnys 40. Wiegenfest am 25. Mai anschaut: Es scheint, als würde da jemand für sein Lebenswerk gefeiert mit einem großen Geburtstagskonzert in der Berliner Philharmonie, der Ehrung als erster Artist in Residence beim Elbjazz-Festival in Hamburg und dem Erscheinen von gleichzeitig zwei Alben.
Während die Live-Aufnahme „Wartburg“ den Pianisten erwartbar intensiv im Kontext seines Trios präsentiert, zeigt er mit der Studioeinspielung „Oslo“, dass er sich eben doch nicht altersweise am Ende seiner Karriere bewegt, sondern nach wie vor offen für Neues ist. Und das ist in diesem Fall das für seine improvisatorische Unberechenbarkeit von Wollny geschätzte Norwegian Wind Ensemble.
An drei Stellen – zu Beginn, in der Mitte und am Ende – tritt das bis zu 24 Bläser umfassende Ensemble auf „Oslo“ in Erscheinung. Die changierenden Schraffuren der Norweger, die von auf- und niederwallenden Klangwellen („Longnote“), über beruhigenden Samt mit Widerhaken („Make A Wish“) bis hin zur verspielten Vaudeville-Einlage und deftigen Dissonanzen („The Whiteness Of The Whale“) reichen, liefern das programmatische Gerüst des Albums.
Denn, wie schon der Stücktitel „Farbenlehre“ nahelegt: Auch wenn Wollny in seinem Trio mit Eric Schafer am Schlagzeug und Christian Weber am Bass gänzlich bläserlos agiert, geht es ihm ums Flächige, ums Malerische. „Oslo“ ist gewissermaßen eine Reise vom klanglichen Laut hin zum melodischen Wort. Lange dominiert auf diesem Trip, der Zwischenhalte bei E.S.T. (im sehr nach Esbjörn Svensson klingenden „Hello Dave“), Fauré („Piano Trio op. 120 II, andantino“ mit Webers Bass als Hauptdarsteller) und Hindemith (das 19. Interludium mit einem aus dem HipHop geborgten Stolperbeat) einlegt, das Abschmecken von akkordischen und rhythmischen Kolorierungsnuancen. Um dann, mit dem „Cantus Arcticus“ des finnischen Komponisten Einojuhani Rautavaara und dem aufgeputscht swingenden „There Again“, bei der Melodie anzukommen. Alles in allem eine bemerkenswerte neue Farbe auf Michael Wollnys ohnehin schon breiter Palette.

Josef Engels, 31.03.2018



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