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Antonio Vivaldi, Leonardo Vinci, Johann Adolf Hasse, Charles Dieupart u.a.

Baroque Twitter (Arien und Sonaten)

Nuria Rial, Maurice Steger, Kammerorchester Basel

dhm/Sony 88985497582
(69 Min., 7/2017)

Eine markante Programm-Idee ist angesichts der Fülle von CD-Veröffentlichungen die halbe Miete, auch im Alte-Musik-Bereich. Die Kombination einer beweglichen Gesangsstimme mit einer Blockflöte ist sicher so eine gute Idee: Zahlreiche barocke Meister haben diese reizvolle Besetzung genutzt, häufig in Zusammenhang mit dem im 18. Jahrhundert nicht selten anzutreffenden Vogelgezwitscher-Sujet. Nach dem Album „Birds“ von Dorothee Mields und Stefan Temmingh 2015 haben nun auch Nuria Rial und Maurice Steger solche Arien aus Werken von Vivaldi, Torri, Hasse, Albinoni oder Alessandro Scarlatti zusammengesucht – zudem ein dankbares Experimentierfeld auch für das kreative Improvisieren im auszuschmückenden Dacapo oder in den Kadenzen.
Nuria Rials wunderschöne Sopranstimme ist in der letzten Zeit reifer und körperhafter geworden: Irritierte früher neben aller Perfektion oft ein kühler, unpersönlicher Klang, erfreut sie mittlerweile mit einem runderen, modulationsfähigeren Timbre, ohne dadurch an Flexibilität eingebüßt zu haben. Für so viel Wärme ist Maurice Stegers Flautino-Sound schon fast ein wenig zu spitz und stechend – zumal er artikulatorisch wenig Zugeständnisse macht an den deutlich anderen Einschwing-Vorgang einer Gesangsstimme. Seine stupende Wendigkeit geht einher mit einem teils extremen Non-Legato, das schnelle Läufe sehr knackig und präzis erscheinen lässt, bei langsameren melodischen Bewegungen aber zu einer bisweilen übermäßig kurzen, fast zickigen Gestaltung des Einzeltons führt. Steger bewegt sich dann auf einem schmalen Grat zwischen bewundernswerter Präzision und fanatischer Artikulations-Hypertrophie. Das nervt ein wenig auch in manchen Sätzen der reinen Instrumentalstücke, die das Programm ergänzen, etwa im Schlusssatz der Mancini-Sonata. In den Arien ist die Bilanz gemischt: Wo es den Interpreten darum ging, der Sängerin ein kleines Vögelchen gegenüberzustellen, das von einem Baum herabzwitschert und die sängerischen Bemühungen der Sopranistin mit immer noch größerer Knappheit und noch radikaler akzentuierter Kürze konterkariert, da ist der Dialog gelungen. Wo aber eine echte Mischung angestrebt wurde, bleibt die Differenz zwischen den beiden Timbres und den jeweiligen artikulatorischen Ansätzen nach Meinung des Autors zu groß.

Michael Wersin, 07.04.2018



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