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Ludwig van Beethoven, Dmitri Schostakowitsch

Sinfonie Nr. 1 C-Dur op. 21, Sinfonie Nr. 1 f-Moll op. 10

Dresdner Philharmonie, Michael Sanderling

Sony 88985492782
(61 Min., 3/2017)

Die Idee ist nicht ohne: Der noch bis nächstes Jahr bei der Dresdner Philharmonie amtierende Dirigent Michael Sanderling stellt zwei der populärsten Sinfoniker auf jeweils einer CD gegenüber. Beethoven und Schostakowitsch, die historisch (vorläufig) beiden Endpunkte der in den Konzertsälen präsenten Großformatiker, das waren zudem auch die Spezialitäten seines Vaters Kurt Sanderling. Nach den beiden jeweils sechsten Sinfonien und der Paarung Nummer 3 (Beethoven) und Nummer 10 (Schostakowitsch) folgen nun auf dem dritten Album noch stringenter die jeweiligen Erstlinge dieser so unterschiedlichen, trotzdem gerade in ihren Sinfonien nach einem populären Idiom als Klangausdruck ihrer Zeit suchenden Komponisten. Doch wie das so ist: Die gute Absicht adelt noch nicht die dann doch interpretatorisch ziemlich mainstreamig geratene Aufnahme. Zudem mit einem guten, aber eben keinem Spitzenklangkörper. 1800 wurde Beethovens Erstling uraufgeführt, zwischen den Haydn-Reminiszenzen schlägt er schon einen frechen, forschen, rabiaten Ton an. Doch hier klingt es brav, sanft behäbig ausgemalt, aber nicht herausfordernd neu gehört. Man erfüllt die neuen stilistischen Erkenntnisse, die man heute auch bei einem herkömmlichen Sinfonieorchester erwarten kann, mehr nicht. Vor allem im Kontrast zum selbstredend moderneren Schostakowitsch, der 1926 seine 1. Sinfonie aufzäumte, brav viersätzig, aber sich schon leicht schräg in den ersten Satz hineinschleichend. Auch hier: Sanderling und die Dresdner meiden das Grelle, Mutwillige, es klingt bei ihnen immer nur nett, könnerisch, aber eben auch ein wenig schläfrig, allzu durchbuchstabiert.

Matthias Siehler, 07.04.2018



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