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Murmuration

Bernhard Meyer

Traumton/Indigo 151292
(61 Min.)

„Murmuration“ – so nennt man im Englischen den spektakulären Formationsflug von Staren, die wie von Zauberhand rätselhafte Kollektivgebilde in den Himmel malen. Ähnlich verschworen und schwarmintelligent verhalten sich auch die fünf Individuen, die sich unter den Schwingen von Bassist Bernhard Meyer auf dem Album „Murmuration“ zusammengetan haben.
Der Vergleich mit der Vogelwelt ist hier aus verschiedenen Gründen gut gewählt. Etwa, weil der Bassist in der Zusammenstellung seines Quintetts auf Instrumente setzt, die sich meist in der Höhe aufhalten – die Klarinette Claudio Puntins, das Vibrafon Julius Heises und die Gitarre von Bernhards Bruder Peter Meyer unterhalten sich mitunter tschilpend, zwitschernd und pfeifend wie eine Ansammlung elektronischer Galgenvögel.
Aber auch der Halbresonanzbass des Bandleaders schwingt sich gemeinsam mit dem Schlagwerk Andi Haberls regelmäßig aus der dienenden Funktion empor, spielt mal unerwartete flinke Unisonostellen mit einem Partner aus der Melodiesektion oder lässt federleichte Soli erklingen, die keinem gängigen E-Bassisten-Klischee entsprechen.
Bernhard Meyers Stücke eröffnen viele luftige Assoziationsräume. Man fühlt sich an den weiten Americana-Himmel eines Bill Frisell erinnert („Dark Flow“, „Shields“), gewahrt nervöse Neobop-Segmente („Wooden“) und denkt häufig an den Indie-Folkrock eines Sufjan Stevens und zuweilen an Steve Reich („Plain Air“). Einig ist den Kompositionen, dass sich die fünf Instrumente in ihnen bewegen können wie ein Starenschwarm. In ungeraden Metren zeichnen die Meyer-Brüder, Puntin, Heise und Haberl eigentümliche elektroakustische Kunstwerke in die Luft. „Murmuration“ eben. Das ist nicht nur bei Vögeln faszinierend.

Josef Engels, 07.04.2018



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