home

N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



Responsive image

Murmuration

Bernhard Meyer

Traumton/Indigo 151292
(61 Min.)

„Murmuration“ – so nennt man im Englischen den spektakulären Formationsflug von Staren, die wie von Zauberhand rätselhafte Kollektivgebilde in den Himmel malen. Ähnlich verschworen und schwarmintelligent verhalten sich auch die fünf Individuen, die sich unter den Schwingen von Bassist Bernhard Meyer auf dem Album „Murmuration“ zusammengetan haben.
Der Vergleich mit der Vogelwelt ist hier aus verschiedenen Gründen gut gewählt. Etwa, weil der Bassist in der Zusammenstellung seines Quintetts auf Instrumente setzt, die sich meist in der Höhe aufhalten – die Klarinette Claudio Puntins, das Vibrafon Julius Heises und die Gitarre von Bernhards Bruder Peter Meyer unterhalten sich mitunter tschilpend, zwitschernd und pfeifend wie eine Ansammlung elektronischer Galgenvögel.
Aber auch der Halbresonanzbass des Bandleaders schwingt sich gemeinsam mit dem Schlagwerk Andi Haberls regelmäßig aus der dienenden Funktion empor, spielt mal unerwartete flinke Unisonostellen mit einem Partner aus der Melodiesektion oder lässt federleichte Soli erklingen, die keinem gängigen E-Bassisten-Klischee entsprechen.
Bernhard Meyers Stücke eröffnen viele luftige Assoziationsräume. Man fühlt sich an den weiten Americana-Himmel eines Bill Frisell erinnert („Dark Flow“, „Shields“), gewahrt nervöse Neobop-Segmente („Wooden“) und denkt häufig an den Indie-Folkrock eines Sufjan Stevens und zuweilen an Steve Reich („Plain Air“). Einig ist den Kompositionen, dass sich die fünf Instrumente in ihnen bewegen können wie ein Starenschwarm. In ungeraden Metren zeichnen die Meyer-Brüder, Puntin, Heise und Haberl eigentümliche elektroakustische Kunstwerke in die Luft. „Murmuration“ eben. Das ist nicht nur bei Vögeln faszinierend.

Josef Engels, 07.04.2018



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Für sein aktuelles Album hat der Trompeter Matthias Höfs ein Werk ausgegraben, das als das einzige ernstzunehmende romantische Trompetenkonzert des 19. Jahrhunderts gilt. Es stammt aus der Feder des deutsch-russischen Komponisten Oscar Böhme. Der 1870 bei Dresden geborene Komponist studierte in Deutschland und Ungarn und emigrierte anschließend nach Russland und nahm die russische Staatsangehörigkeit an. Trotz seiner Bemühungen um eine perfekte Integration in die russische Gesellschaft […] mehr


Abo

Top