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Antonio Vivaldi

Stabat Mater, Gloria, Streicher-Concerto u.a.

Andreas Scholl, Hanna Herfurtner, Joowon Chung, Salzburger Bachchor, Bach Consort Wien, Rubén Dubrovsky

Gramola/Naxos GR99165
(71 Min., 4/2017)

Vor knapp 20 Jahren hatte Andreas Scholl sich zum ersten Mal dem Kirchenkomponisten Vivaldi gewidmet. Anfang Dreißig war der Countertenor, doch schon damals waren er und seine Stimme das Maß aller Dinge, wenn es um die Verwandlung selbst weniger bekannter Stücke in zeitlos magische Klangwunderwerke ging. Jetzt also liegt Scholls zweites Vivaldi-Album vor. Aufgenommen wurde es im letzten Jahr live in der Stiftskirche des österreichischen Klosterneuburg. Rubén Dubrovsky leitete mit dem Bach Consort Wien ein erstklassiges Alte Musik-Ensemble, das auch in Deutschland viel mehr Aufmerksamkeit verdient. Und die beiden Sopranistinnen Hanna Herfurtner und Joowon Chung besitzen nicht nur ein breites Ausdrucksspektrum, sondern können auch in Artikulation und Phrasierung mehr als überzeugen. Dennoch werden bereits in der Motette „Filiae Maestae Jerusalem“ für Alt und Orchester, die Vivaldi 1715 zur Einleitung des „Miserere“ komponiert hatte, die Unterschiede zwischen exzellentem (Barock-)Gesang und Schollschen Dimensionen überdeutlich. Immer noch bewegt er sich wie selbstverständlich und aus dem Nichts hinauf und hinein in Sphären, in denen selbst für die meisten seiner Stimmkollegen die Luft mehr als dünn wird. Weiterhin ist es dieses überirdisch freischwebende und trotzdem mit jedem Atemzug zu uns sprechende, geradezu naturbelassene und makellose Timbre, mit dem Scholl auch im berühmten „Stabat Mater“ RV 621 sowie im „Gloria“ RV 589 auftrumpft, begeistert, berührt. Mehr als erstaunlich ist es daher, dass Scholls eigentlicher Labelpartner Decca die ertragreiche Zusammenarbeit aktuell auf Eis gelegt hat.

Guido Fischer, 21.04.2018



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