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César Franck, Claude Debussy, Gabriel Fauré

Beau soir (Violinsonaten u.a.)

Kyung Wha Chung, Kevin Kenner

Warner 9029570808
(64 Min., 10 & 11/2017)

Es ist keine Selbstverständlichkeit, mit 70 Jahren noch auf hohem Niveau Geige zu spielen: Gerade beim Streichinstrument erfordert die Feinabstimmung der komplexen Bewegungsabläufe ein Höchstmaß an motorischer Geschmeidigkeit – und wenn diese nicht mehr gegeben ist, klingt auch das Spiel unweigerlich eckig und unelegant. Bei Kyung Wha Chung hört man wohl hier und da Einschränkungen dieser Art, die sich auch auf die Intonation auswirken, das ist nicht zu leugnen. Aber sie werden immer wieder kompensiert durch den unglaublich routinierten und gleichzeitig höchst inspirierten Zugang zum Instrument und zum Repertoire. Das ist umso erstaunlicher, als die Koreanerin eigentlich im Jahre 2005 schon wegen ernsthafter Probleme mit dem vierten Finger der linken Hand ihre Karriere aufgegeben hatte. 2010 gelang ihr ein triumphales Comeback, und auf dieser Welle reitet sie offenbar noch immer – fast ein Phänomen, möchte man sagen.
Freilich darf man sich bei diesem häufig gespielten Repertoire – im Zentrum steht die immer wieder faszinierende Franck-Sonate – von dieser Aufnahme keine bahnbrechend neuen interpretatorischen Geniestreiche erwarten. Eher handelt es sich um ein Rezital besonders für die Fans der Geigerin, die ihren Geigenton und ihren individuellen Zugriff auf diese Musik schätzen. Außerdem bringt das Album für den einen oder anderen Hörer vielleicht auch die erste Begegnung mit Faurés erster Violinsonate in A-Dur (op. 13), die zu den Höhepunkten des französischen Repertoires im späten 19. Jahrhunderten gehört.

Michael Wersin, 05.05.2018



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