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Dmitri Schostakowitsch

Klavierquintett, Streichquartett Nr. 3

Belcea Quartet, Piotr Anderszewski

Alpha/ Note 1 ALP360
(68 Min., 6/2017)

Wie unberechenbar das Komponistenleben in einer Diktatur verlaufen konnte, lässt sich wohl kaum deutlicher festmachen als an Schostakowitschs Klavierquintett g-Moll op. 57. Nach der Uraufführung am 23. November 1940 wurde der Komponist von der „Prawda“ und damit von jenem Partei-Organ auf Händen getragen, das ihn vier Jahre zuvor in dem berühmt-berüchtigten Artikel „Chaos statt Musik“ noch der „Kakophonie“ bezichtigt hatte. Höhepunkt der von dem fünfsätzigen Opus ausgelösten Feierlichkeiten war die Verleihung des mit 100.000 Rubeln dotierten Stalin-Preises 1. Klasse an Schostakowitsch. Nun hat das englische Belcea Quartet dieses Erfolgsstück zusammen mit dem polnischen Pianisten Piotr Anderszewski nicht allein in einer packenden Aufnahme vorgelegt. Gemeinsam ist man diesem musikalisch ganz und gar anti-opportunistischen und sich damit eigentlich gegen jegliche offizielle Umarmung sträubenden Klangmonument der Tragik und des Leids derart zu Leibe gerückt, dass man sich auf dieses existenzielle Spiel im Grunde nur in gespannter Sitzhaltung einlassen kann. Rigoros beklemmend und düster, gespenstisch grotesk und im 2. Satz von einem atemstockenden Tragödienton aufgeladen – die fünf Musiker lassen keinen Moment, keinen Takt verstreichen, der einem nicht unter die Haut ginge. Wobei es ihnen gelingt, das Unerbittliche ohne jegliche ins Pathos eingebettete Schutzhülle zu präsentieren. Nicht minder risikofreudig, scharf konturiert und eindringlich impulsiv kommt auch das 3. Streichquartett daher, das Schostakowitsch 1946 für das Beethoven-Quartett und damit für jenen berühmten Vierer geschrieben hat, für den seinerzeit auch das Klavierquintett komponiert worden war. Und auch hier erweist sich das Belcea Quartet als beeindruckender Anwalt des Kammermusikkomponisten Schostakowitsch.

Guido Fischer, 05.05.2018



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