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Maurice Ravel

„Ma mère l´oye“, „Le tombeau de Couperin“, „Ouverture Shéhérazade“

Les Siècles, Franҫois-Xavier Roth

harmonia mundi HMM 905281
(57 Min., 2016, 2017)

Ein Satz Klarinetten aus der altehrwürdigen französischen Werkstatt Buffet-Crampon, aus der auch die Tieftöner in Form etwa eines Kontrafagotts stammen. Die Posaunen sind in den Jahren 1872 bis 1927 von Antoine Courtois gebaut worden. Und die Trompeten kommen aus dem Hause Selmer und haben ebenfalls fast ein Jahrhundert auf dem Buckel. Wenn man sich wie Franҫois-Xavier Roths Originalklang-Orchester Les Siècles darauf spezialisiert hat, jedes Werk im Sound seiner Entstehungszeit aufzuführen, dann muss man eben wie im Fall des aktuellen Ravel-Albums akribisch recherchieren, bis das historische Instrumentenset dafür beisammen ist. Selbstverständlich kommt dann auf die Streichinstrumente nur erstklassige Darmsaitenware. Auch wenn die Vorbereitungen eines solches Projekts mühsam sind – dem Ergebnis hört man dies so gar nicht an. Im Gegenteil: Bei Roth und seinem Orchester erklingt alles derart natürlich und organisch, dass man sich eigentlich kaum vorstellen kann, diese Orchesterwerke danach wieder von einem modernen Orchester zu hören. Alles duftet und atmet jetzt unvergleichlich verführerisch. Jede Flötenstimme scheint von Nymphe Syrinx höchstpersönlich zum Leben erweckt worden zu sein. Die Oboen fließen ähnlich erlesen dahin wie der von paradiesischen Brisen geleitete Streicherklang. Und das Beste dabei ist, dass Roth in dem Wohlklang immer wieder Details entdeckt, die man so noch nie wahrgenommen hat. Bei seinen französischen Landsleuten ist Ravel in den alleredelsten Händen – vertreten durch seine drei jetzt eingespielten Werke „Ma mère l´oye“, „Le tombeau de Couperin“ sowie die „Ouverture Shéhérazade“, die im Original allesamt für Klavier geschrieben wurden. Bravo!

Guido Fischer, 19.05.2018



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