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Franz Schubert

„A Soprano’s Schubertiade“ (Lieder)

Carolyn Sampson, Joseph Middleton

BIS/Klassik Center Kassel BISSACD2343
(77 Min., 8/2017) SACD

Es braucht nur wenige Minuten, bis der Hörer erkennt, dass dies eine Ausnahme-Leistung auf dem Gebiet des Liedgesangs ist: Carolyn Sampson präsentiert ein optimal zusammengestelltes Schubertprogramm und erweist sich dabei als Meisterin des deutschsprachigen Kunstliedes. Ihre Diktion ist schlichtweg perfekt, ihr Umgang mit dem Text ist kreativ bis in die letzte Nuance. Hinzu kommt eine stimmliche Kompetenz, die ihresgleichen sucht: „Gretchen am Spinnrade“ etwa erfährt, ganz im Sinne der Gliederung von Schuberts Vertonung, eine differenzierte Steigerung in mehreren Wellen bis hin zu den finalen Spitzentönen, die nur im vollkommenen Eins-Sein von Ausdruckswillen und stimmtechnischem Finish so umgesetzt werden kann. Die Ballade vom „König in Thule“ fasziniert in Sampsons Version durch die großen Spannungsbögen, in welche Sampson die Doppelstrophen fasst, ohne dabei die Details des Textes zu vernachlässigen. Und die Blumenballade „Viola“ lebt und atmet durch die Lebendigkeit und Frische, mit der Sampson Wort und Musik zu einer sensibel ausbalancierten untrennbaren Einheit zu verschmelzen versteht. Besonders bei diesem langen Lied fällt zudem auf, wie Sampsons Begleiter Joseph Middleton durch Präzision und knackige Artikulation Schuberts unterschiedliche Begleitfiguren dem Einerlei der Akkordbrechung enthebt und in ihrer jeweils konkreten Gestalt zum ästhetischen Erlebnis werden lässt. Wie könnte Schubert schöner sein, wie könnte man ihn trefflicher zelebrieren?

Michael Wersin, 19.05.2018



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