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Johann Sebastian Bach

Cross-Dressing Bach

Enrico Gatti, Rinaldo Alessandrini

Glossa/Note 1 GCD921210
(68 Min., 6/2017)

Ob der Begriff „Cross-Dressing“ für das Thema dieser CD glücklich gewählt ist, sei dahingestellt; weder die beiden Interpreten noch den Komponisten brauchen wir uns zum Verstehen des Repertoires in Frauenkleider gewandet vorstellen. Tatsächlich geht es um eine sehr spannende innermusikalische Angelegenheit: als Bearbeiter eigener Werke hat Bach häufig Spuren hinterlassen, die einen Einblick in seine Ästhetik und in die Wurzeln seine Kreativität zulassen. Sonaten für eine Duo-Besetzung etwa, bei denen das Tasteninstrument nicht Generalbass spielt, sondern in seiner rechten Hand einen obligaten Solopart enthält, der dem Solopart des Melodieinstruments gleichberechtigt ist, hält man schon seit langem zumindest partiell für Bearbeitungen von Triosonaten aus eigener Produktion – von Sonaten also, die ursprünglich mit zwei Melodieinstrumenten plus Continuogruppe besetzt waren. Bachs Tendenz, das Tasteninstrument zum gleichberechtigten Duettpartner aufzuwerten, ist ein visionär zukunftsweisender Aspekt seines kompositorischen Schaffens.
Solche und ähnliche Zusammenhänge suchen und präsentieren Gatti und Alessandrini mit ihrer Werkauswahl auf dieser CD. Freilich: Wer nicht gründlich in Bachs Werkstatt stöbern und zu diesem Zweck etwa bekanntere Versionen der hier vorgestellten Werke zum Vergleich heranziehen möchte, der wird einfach nur schöne Kammermusik hören – dies allerdings in vorzüglicher Interpretation, die Klangsinnlichkeit mit sorgfältig artikulationsbasierter Durchstrukturiertheit zu verbinden versteht.

Michael Wersin, 09.06.2018



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