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Francesca Caccini

La liberazione di Ruggiero dall’Isola d’Alcina

Michaela Riener, Achim Schulz, Sabine Lutzenberger, Axelle Bernage, Huelgas Ensemble, Paul van Nevel u.a.

dhm Sony 88985338762
(89 Min., 1/2016) 2 CDs

In seiner knapp 50-jährigen Ensemblegeschichte hat das von Paul van Nevel gegründete und bis heute befeuerte Huelgas Ensemble sich vor allem im A-cappella-Repertoire der Renaissance und des Frühbarock umgetan. Wobei van Nevel sich dank seiner musikalischen Spürnase für Raritäten zu Recht den Spitznamen „Hercule Poirot der Alten Musik“ verdient hat. Doch es ist eben nie zu spät für einen künstlerisch neuen Schritt. Und so hat das belgische Team mit Francesca Caccinis „La liberazione di Ruggiero dall’Isola d’Alcina“ nicht nur seine erste Oper auf Tonträger vorgelegt, sondern gleichzeitig das in der Musikgeschichte wohl erste Musiktheaterwerk, das aus der Feder einer Komponistin stammt. Bei ihrem Nachnamen klingelt es natürlich sofort. Immerhin war die Florentinerin die Tochter von Giulio Caccini, der die blutjunge Gattung „Oper“ prägte. Und da bekanntlich der Apfel oftmals nicht weit vom Stamm fällt, erwies sich Francesca Caccini auf diesem Gebiet gleichermaßen fleißig und vor allem fantasiebegabt.
Mehr als ein Dutzend Opern soll sie geschrieben haben. Doch nur die 1625 veröffentlichte Vertonung des allseits beliebten Stoffs von der Befreiung des Ritters Ruggiero durch die gute Zauberin Melissa aus den Fängen der Hexe Alcina hat überlebt. Paul van Nevel hat die vielfach lückenhafte Partitur rekonstruiert und mit seiner Truppe 2016 in Antwerpen konzertant aufgeführt. Dieser Live-Mitschnitt ist (nach der im letzten Jahr bei Glossa erschienenen CD des Ensemble La Pifarescha und einer weiteren des Ensembles Romabarocca) die dritte Einspielung der Kammeroper innerhalb kurzer Zeit. Und die Musik besitzt mit ihren ausdrucksvollen Arien, zauberhaft gestalteten Rezitativen sowie immer auch so manch harmonisch kühnen Wendungen nahezu alles, um mit vielen bedeutenden Opern jener Zeit zu konkurrieren. Das Niveau des Sängerensembles ist gerade in der Spitze, bei Mezzosopranistin Michaela Riener (Alcina), Tenor Achim Schulz als Ruggiero und Mezzosopranistin Sabine Lutzenberger (Melissa), durchweg hoch. Nur in den Nebenrollen tun sich so manche Schwachstellen auf, die man von dem ansonsten so penibel zu Werke gehenden Dirigenten nicht erwartet hätte. Aber das sind angesichts des Gesamtergebnisses und -erlebnisses zum Glück dann doch nur marginale Einschränkungen.

Guido Fischer, 09.06.2018



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