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Joseph Haydn

Klaviertrios Hob. XV 14, 18, 21, 26, & 31

Trio Wanderer

harmonia mundi HMM 902321
(68 Min., 1/2017)

Ein Programm zu gestalten, das ausschließlich aus Haydn-Klaviertrios besteht, ist für ein Ensemble aus drei gleichermaßen ambitionierten Künstlern keine ganz einfache Aufgabe: Die musikalische Substanz dieser reizvollen Stücke entfaltet sich vor allem im Klavierpart, und besonders das Violoncello hängt weitgehend an dessen linker Hand. Auch die Violine hat selten wirklich herausragende Kantilenen zu präsentieren. Gleichzeitig ist indes ein differenzierter, farbenreicher Gesamtklang zu erzielen, der den Sinn der Trio-Besetzung trotz Klavier-Dominanz möglichst schlüssig erfahrbar macht.
Auf historischem Instrumentarium hat dies vor nicht allzu langer Zeit Riccardo Minasi mit seinem Ensemble getan und dabei die speziellen klanglichen sowie verzierungstechnischen Möglichkeiten der historisierenden Herangehensweise genutzt. Mit modernen Instrumenten dagegen erzielt das „Trio Wanderer“ nun erneut (schon 2001 legten sie eine Haydn-Trio-CD vor) ein vom historisierenden Ansatz durchaus verschiedenes Ergebnis: Grundsätzlich ist das Klangbild ein recht konservatives – nicht mit extemporierten Verzierungen oder ins Haydn-Zeittypische zielenden bogentechnischen Raffinessen wird Ausdruck erzeugt, sondern vor allem mit dynamischen und artikulatorischen Mitteln. Vor diesem Hintergrund gelingt allerdings eine durchaus mitreißende Durchgestaltung des musikalischen Materials als solches. Joseph Haydns kompositorische Kreativität wird in der vorliegenden Einspielung also ohne Weiteres zum Erlebnis; wer allerdings nach einem eher experimentellen Ansatz sucht, der das „Setting“ des Haydnschen Klaviertrio-Typs als solches hinterfragt und in ungewohnter Weise beleuchtet, wird hier eher nicht fündig.

Michael Wersin, 16.06.2018



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