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United We Swing

Wynton Marsalis Septet

Blue Engine Records/Galileo BE 0011
(71 Min., 6/2003 - 5/2007)

Was machen Jazzmusiker, um ein junges Publikum zu erschließen? Die Antwort des Jazz-Education-Programms von „Jazz at Lincoln Center“ fällt so hilflos aus wie die vieler europäischer Sinfonie- und Kammerorchester: Man hole Popstars und musiziere mit diesen. Der Saal wird zwar voll, und die Kasse stimmt – aber für die Quintessenz der eigenen Musik hat man kaum geworben. Wynton Marsalis, der in den 1980er Jahren alle aus der Jazzgemeinde exkommunizierte, die allzu weit vom swingenden Jazz abwichen, konnte für eine Serie von Benefizkonzerten Größen wie Bob Dylan, Ray Charles, Eric Clapton, Willie Nelson, James Taylor und Lenny Kravitz gewinnen. Der Sampler „United We Swing“ vereint nun eine Reihe von Bluesnummern aus diesen Konzerten.
Wirklich swingender Jazz ist dabei rar. So brummelt Dylan in einem schleppenden Blues „It Takes A Lot To Laugh, It Takes A Train To Cry“; Marsalis´ Solisten streuen hier nur kurze, angejazzte Instrumentalfetzelchen ins Geschehen. Um einiges näher am historischen Jazz bewegt sich Clapton, indem er sich mit der Elektrogitarre in ein historisierendes Arrangement von Louis Armstrongs „I’m Not Rough“ mengt. Mit Audra McDonald geht die Band noch einen Schritt tiefer in die Jazzgeschichte: Die Sängerin greift den einst epochalen Vokalgesang von Adelaide Hall in Duke Ellingtons „Creole Love Call“ auf, und Marsalis antwortet mit einem vergnügten Growl-Solo. Dass Marsalis´ Septett nicht nur reinen Jazz beherrscht, sondern auch beschwingte Entertainment-Klänge, zeigt die Begleitung von John Legend in „Please Baby Don’t“ und James Taylor in „Mean Old Man“. Zudem ist Natalie Merchant in einer hübschen Bossa Nova „The Worst Thing“ zu hören.
Die Sänger und Gitarristen Lenny Kravitz, Lyle Lovett und Willie Nelson, die Sänger Ray Charles, Jimmy Buffett, John Mayer sowie die Sängerinnen Carrie Smith und Susan Tedeschi bleiben in ihren Beiträgen beim Blues. „What Have You Done“ shouten Marsalis und Mitglieder seiner Band schließlich in der selbst komponierten Schlussnummer, deren Bluesfeeling Doug Wamble mit der Gitarre unterstreicht. Die Antwort ist einfach: Er hat ein hübsches Bluesalbum zusammengestellt.

Werner Stiefele, 16.06.2018



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