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Stars Aligned

Martti Vesala Soundpost Quintet

Ozella Music/Galileo OZ080CD
(43 Min., 12/2016)

Es hat seinen Reiz, wenn Jazzmusiker eine Brücke zwischen der Tradition und heute schlagen. Einerseits bezieht sich das Quintett des Trompeters Martti Vesala auf den Hard Bop der 1950er und den offeneren Jazz des bedeutendsten Quintetts von Miles Davis mit Herbie Hancock sowie die Bands von Wayne Shorter in den 1960ern. Andererseits bilden der Pianist Joonas Haavisto, der Kontrabassist Juho Kivivuori und der Schlagzeuger Ville Pynssi eine Rhythmusgruppe, die zwar auch swingt, aber ebenso im pulsierenden europäischen Jazz zu Hause ist. Ähnlich breit ist auch der Bezugsrahmen Vesalas und des Tenorsaxofonisten Petri Puolitaival.
Dieser Herkunft entsprechend, leitet in „Compulsion“ eine lose über einem nervösen Beat schwebende Trompetenimprovisation die Disc ein, bevor die Band zum swingenden Groove übergeht und sich – der Tradition gehorchend – die Bläser und der Pianist über die Rhythmusgruppe erheben. Auch im Titelstück „Stars Aligned“ orientiert sich die Band am swingenden Hardbop und in „A Murder Of Crows“ am Post-Bop der 1980er.
Andererseits folgen in „The Sun’s Eye“ auf eine verschlungene Einleitung abgerundete Klangbögen – ein klangmalerisches Stück fernab der swingenden Traditionslinie. Zudem wird die Ballade „The Lost Sea“ vor allem durch weiche, verträumte Melodien der von Puolitaival gespielten Altflöte geprägt. Mit „Rooftops“ geht es wieder in kernigere Gefilde zurück, und „Murky Green“ ist ein ausgeglichener Trialog von Saxofon, Trompete und Schlagzeug. Die „Driving Force“ erhebt sich mit tragenden Melodien über eine nervös pulsierende Schlagzeugfigur: ein angenehmes Finale, in dem sich bestätigt, dass die Band aus ihren Kenntnissen der Jazzgeschichte schöpft und daraus attraktive Eigenkompositionen schafft.

Werner Stiefele, 23.06.2018



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