Der Sonnenkönig war seit vielen Jahren tot. Und erst langsam konnte sich das von dessen Kriegszügen finanziell ausgepresste Frankreich erholen. Musikalisch sollte Ludwig XIV. aber trotzdem omnipräsent bleiben. Und zwar in der 1725 ins Leben gerufenen Pariser Konzertreihe „Concert Spirituel“, in der man nicht nur etwa nonstop Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ hören konnte. Besonders beliebt waren auch die insgesamt 77 Motetten, die Michel-Richard de Lalande in seiner Funktion als königlicher Sous-maîtres de la Chapelle für den allmächtigen Louis komponiert hatte. Bis 1770 wurden sie viele hunderte Male aufgeführt. Zudem erfreute sich Lalandes „Te Deum“ einer wesentlich größeren Beliebtheit beim Pariser Konzertpublikum als jenes aus der Feder des Kollegen Lully. Dieses Huldigungswerk Lalandes haben der französische Dirigent Vincent Dumestre und sein Ensemble Le Poème Harmonique mit der Psalmvertonung „Ecce nunc benedicite“ und der Motette „Deitatis Majestatem“ zu einer Aufnahme gebündelt, die sich zugleich als Huldigung eines der einfallsreichsten Repräsentanten des musikalischen „Ancien Régime“ erweist. Denn Lalandes Musik ist von einer ausgesuchten Schönheit und packt einen mit ihrer tiefen Innigkeit, eleganten Kantabilität und diesen feierlichen Zügen, die nicht pompös inszeniert sind, sondern jetzt bei Dumestre geradezu pastoral anmuten. Für ihre zweite Lalande-Aufnahme haben die Spezialisten für diese Klangepoche zudem mit Emmanuelle de Negri, Dagmar Saskova, Sean Clayton und Cyril Auvity sowie dem Ensemble Vocal Aedes durchweg exquisite Sänger und Sängerinnen ausgewählt, die mit jeder Notenfaser anrühren und begeistern. Große Musik trifft auf großartige Musiker.

Guido Fischer, 23.06.2018



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