Seinen Ruf als einer der bedeutendsten Countertenöre der Gegenwart hat Bejun Mehta auf der Barockopernbühne ausgebaut. Und auch auf Tonträger konnte er gerade im Händel-Fach mehr als nur beeindrucken. Dementsprechend hat sich der Amerikaner mit seinem neuen Album einer ihm bestens vertrauten Klangsprache gewidmet. Denn in seiner Kantatensammlung, die er mit der Akademie für Alte Musik Berlin vorlegt, finden sich neben Johann Sebastian Bachs berühmter Kantate „Ich habe genug“ BWV 82 und Vivaldis „Pianti, sospiri e dimandar mercede“ RV 676 gleich vier Händel-Werke. Neben der Kantate „Mi palpita il cor“ HWV 132c sind es Solo-Arien u.a. aus dem weltlichen Mini-Oratorium „The Choice Of Hercules“ HWV 69. Die daraus stammende, sanft in sich ruhende Arie „Yet Can I Hear That Dulcet Lay” mag es Mehta besonders angetan haben. Nicht nur hat er ihren Titel quasi als Untertitel für seine Einspielung „Cantata“ gewählt. Mit dieser „Largo e mezzo piano“-Air rundet er – makellos, mit elysisch süßen Tönen und einer Stimme, die sich wundersam auf einem imaginären unendlichen Atem bewegt – ein Album ab, das bis zu diesem Punkt aber überraschend wenig berührende Züge aufweist.
In den von der Instrumentation her spärlich, vorrangig mit klassischer Basso continuo-Gruppe besetzten Kantaten, Arien und einer durchaus hübschen „Trauermusik“ von Melchior Hoffmann fällt leider immer wieder der Spannungsbogen ab, da Mehta im Kleinen, aber trotzdem hörbar forcieren muss, um den Sangesstrom halbwegs aufrecht zu halten. Wie selbstverständlich, wie geradezu verinnerlicht hatte dagegen Andreas Scholl dieses Repertoire stets zur höchsten Blüte geführt. Natürlich muss sich Mehta dabei nicht vor dem feinen Oboengesang verstecken, den Xenia Löffler bei der Bach-Kantate anstimmt. Und in dem Lamento „Ach, dass ich Wassers g´nug hätte“ vom großen Arnstädter Johann Christoph Bach schmiedet Mehta mit den Streichern eine packende Seelengemeinschaft. So bleibt Spekulation, wie es gewirkt hätte, wenn Mehta dieses höchste Niveau auf dem kompletten Album geboten hätte.

Guido Fischer, 23.06.2018



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