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Viktor Ullmann

„Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“

Duo Pianoworte

Kaleidos/Klassik Center Kassel KAL 63412
(61 Min., 9/2017)

Das Melodram für Sprechstimme und Klavier ist im Bewusstsein des Publikums allenfalls ein Randbereich des romantischen Lyrik-basierten Konzertrepertoires: Schuberts „Abschied“, Schumanns „Heideknabe“ oder Strauss‘ „Enoch Arden“ mögen einem in den Sinn kommen. Aber dass der Schönberg-Schüler Viktor Ullmann Passagen aus Rilkes „Weise von Liebe und Tod …“ entsprechend gesetzt hat, war auch dem Rezensenten unbekannt. Wer Frank Martins Vertonung des Textes kennt, den erwartet hier freilich eine ganz andere, ebenso eigenständige wie eigenwillige musikalische Beleuchtung von Rilkes wundervollen Versen. Diese bleiben, meisterhaft rezitiert von Helmut Thiele, ganz in ihrer poetischen Integrität erhalten, werden aber durch Ullmanns überaus gelungene musikalische Ergänzungen dennoch ausgesprochen wirkungsvoll nachgezeichnet, vorangetrieben, untermalt oder expressiv beeinflusst. Was auf dem Papier vielleicht ungewöhnlich aussehen mag und auf den ersten Blick sicher weniger zur Aufführung inspiriert als ein Zyklus von Kunstliedern, wird von Thiele und seinem Klavierpartner Bernd-Christian Schulze so stimmig und organisch, so vielfältig und dabei so packend dargeboten, dass es eine reine Freude ist. Rilke und Ullmann verschmelzen zu einer faszinierenden Einheit – und wenn das Werk allzu bald zu Ende ist, tröstet den Hörer immerhin die Begegnung mit Anton Arenskys „Drei Melodeclamationen“ auf Turgenjev-Texte, die ebenfalls kaum bekannte Pretiosen aus der Melodramen-Schatztruhe sind.

Michael Wersin, 07.07.2018



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