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Franz Schubert

Wanderer

André Schuen, Daniel Heide

CAvi/harmonia mundi CAVI 8553373
(67 Min., 10/2016)

Kräftig zupacken und mit irisierendem Pianissimo verzaubern – beides kann der aus Südtirol stammende Bariton André Schuen, und nicht zum ersten Mal macht er diese Qualitäten auf ausgesprochen kultivierte Weise für ein ansprechendes Liedprogramm nutzbar. Wer über so ein wohlklingendes Material und über eine so gut funktionierende Technik verfügt, der kann sich beim Gestalten eines Schubert-Liedprogramms ganz der Sprache widmen, ohne dabei die reine stimmliche Schönheit einzubüßen. Das sind ideale Voraussetzungen für das Lied-Genre, und man verzeiht deshalb gern, dass sich gelegentlich – etwa beim rezitativischen Beginn des berühmten „Wanderers“ nach Schmidt von Lübeck – ein wenig vordergründiges Pathos zeigt. Dafür gelingen später die „Wo, immer wo?“-Fragen mit einzigartiger Delikatesse: An Fischer-Dieskaus berühmte voix mixte erinnert Schuens Pianissimo in der Übergangslage hier; freilich liefert er später im Programm, etwa in „Auf der Bruck“ ein so gesundes, jugendlich-frisches Forte, wie es Fischer-Dieskau schon früh in seiner Karriere nicht mehr zur Verfügung gestanden hat. Ein starkes Gewicht auf das Lied zu legen, ist für die Stimme immerhin eine gute Lebensversicherung; freilich ist der heute 34-jährige Schuen auch auf der Opernbühne engagiert. Bleibt zu hoffen, dass er für sein wertvolles Material immer die richtige Balance findet.

Michael Wersin, 14.07.2018



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