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N° 1229
27.11. - 03.12.2021

nächste Aktualisierung
am 04.12.2021



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Blues For Maggie

Zhenya Strigalev

Whirlwind/Indigo 155312
(59 Min., 3/2017)

Auch in London gibt es eine Pannonica de Koenigswater, eine jazzverrückte Mäzenin und großzügige Improvisatorenmuse vorgerückten Alters. Maggie Black heißt sie, ist Schottin, bleibt bei Konzerten bis drei Uhr morgens und trinkt gerne entkoffeinierten Kaffee mit Baileys. Das erfahren wir aus dem Booklet der ihr gewidmeten CD „Blues For Maggie“ des russischen Alt- und Sopransaxofonisten Zhenya Strigalev.
Bluesstücke interpretiert Strigalevs extrem dicht interagierende Band um den chilenischen Gitarristen Federico Dannemann, den mauritischen Bassisten Linley Marthe und den US-amerikanischen Schlagzeuger Eric Harland freilich nicht. Es beginnt mit einem Reggae („Not Upset“), geht weiter Richtung Jam-Jazzrock à la Medeski, Martin & Wood („Pinky“, „Take Off Socks“), legt eine Zwischenstation bei einer liebevollen Swing-Karikatur ein („Wondering About Swing“), wandert an lateinamerikanischen Gestaden entlang („Happy Professors“) und landet schließlich irgendwo zwischen Billy Cobham und Steve Coleman („Little Struggle“).
Man merkt, dass die Aufnahmen während oder kurz nach Konzerten im Wiener „Porgy & Bess“ und dem „Paradox“ in Tilburg entstanden sind – die Formation befindet sich hörbar im vollen Live-Saft. Mit Marthes pumpenden, zuweilen an Stanley Clarke erinnernden Basslinien und Harlands schwerst groovenden Schlagzeug-Geflechten (man höre sein fast zehnminütiges Solo in „Take Off Socks“, das ein Lehrstück in Sachen süchtig machendem Minimalismus ist) entwickeln die hauptsächlich lickbasiert-modalen Stücke eine große Sogkraft. Gitarrist Dannemann und Bandleader Strigalev können sich aussuchen, wie sie auf diesen verlässlichen Wellen hinwegsurfen – boppig, angerockt oder funky.
Strigalev hat zweifellos auch etwas von der Kauzigkeit Thelonious Monks, des Schützlings der echten Pannonica, geerbt. So liebt er es, sein Altsaxofon mit einer Vielzahl an Effekten zu versehen. Wenn er aber etwa in „Wondering About Swing“ sein Instrument alle paar Sekunden anders klingen lässt, mal wie einen Alien-Staubsauger, mal wie Darth Vader auf dem Rummelplatz, wirkt das doch ziemlich beliebig. Da sollte Maggie noch einmal mit ihm reden.

Josef Engels, 28.07.2018



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