Responsive image
Louis Couperin

Nouvelles suites de clavecin

Christophe Rousset

harmonia mundi HMM 902501.02
(147 Min., 1/2018) 2 CDs

Sein Neffe François ist heute eine Spur bekannter als er. Aber bei dem Namen „Louis Couperin“ schnalzen die Connaisseure unter den Cembalisten ebenfalls mit der Zunge. Denn der an Orgel, Cembalo und Gambe dreifach Begabte und seinerzeit in Paris und bei Louis XIV. in höchstem Ansehen stehende Monsieur hat nicht einfach Allemandes, Courantes, Sarabandes und Gigues en masse geschrieben und klassischerweise zu Suiten gebündelt. Seine rund 140 Einzelstücke sind vom manuellen Anspruch her kein Zuckerschlecken. Zugleich stehen sie für eine musikalische Formulierungskunst, die sich wie selbstverständlich nicht einmal wiederholt oder mal in substanzlosere Virtuosität abrutscht. Bei Louis Couperin hat man stets den Eindruck, dass er einfach nicht anders konnte, als einen mit großen und gehaltvollen, beschwingten und beseelten, vergnüglichen und verblüffenden Gedanken weniger beeindrucken – als vielmehr fesseln zu wollen.
Diesen Kosmos nicht nur auf die Tastatur eines historischen Instruments zu bringen, das über eine sagenhafte Tonfülle und tolle Lunge verfügt, sondern diesen leuchten und erstrahlen zu lassen, mag Schwerstarbeit sein. Bei Christophe Rousset ist man sich hingegen schnell sicher, dass ihm von allen französischen Barockcembalo-Meistern Louis Couperin dann doch vielleicht der liebste, weil facettenreichste und unmittelbarste ist. Die Körperlichkeit von Couperins Musik findet aber nicht nur in Rousset ihren Meister, sondern in dem (für diese Aufnahme mitteltönig gestimmten) Cembalo von 1652 aus der Antwerpener Werkstatt von Ioannes Couchet den idealen Resonanzkörper.

Guido Fischer, 18.08.2018



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Lieder kann man herrlich auch auf einem Streichinstrument der mittleren oder tiefen Lage singen. Und ganz ohne Text! Das hat schon Bratscher Antoine Tamestit mit seiner Kombination von Schuberts „Arpeggione“-Sonate in der Fassung für Viola und Arrangements von ausgewählten Liedern bewiesen. Ein ähnliches Konzept liegt der neuen CD „Nacht“ von Cellistin Anja Lechner zugrunde, zum Teil überschneiden sich sogar die arrangierten Lieder wie „Nacht und Träume“. Und auch die […] mehr »


Top