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Johann Sebastian Bach

Oboe Concertos & Cantatas

Xenia Löffler, Anna Prohaska, Collegium 1704, Václav Luks

Accent/Note 1 ACC24347
(65 Min., 7 & 11/2017)

Eigenwillig bahnt sich die Sopranistin Anna Prohaska ihren Weg durch Johann Sebastian Bachs Kantilenen: Ebenmäßigkeit in der Stimmführung ist sicher nicht ihr Ziel. Stattdessen findet sie zu Ausdrucksformen, die u. a. das Von-unten-Ansingen zahlreicher Töne, das Skandieren, das Abreißen von Phrasenende oder auf stimmtechnischer Ebene den satten Gebrauch des Brustregisters bei einzelnen Tieftönen beinhalten. Womöglich zielt die Sängerin damit auf eine besonders intensive Ausgestaltung des Textes ab; das ist in den Rezitativen durchaus zu erahnen. In den Arien jedoch bewirkt die wenig ökonomische Führung der Stimme gerade im Falle schneller, melodisch komplexer Verläufe genau das Gegenteil: Der Text bleibt auf der Strecke, und der Vokalpart wirkt unruhig und uneinheitlich.
Was auf Gesangsebene durch die beschriebenen Umstände in puncto Eleganz verloren geht, liefert instrumental im Übermaß die vorzügliche Oboistin Xenia Löffler: In den Concerti g-Moll (BWV 1056), C-Dur (BWV 1061) und A-Dur (BWV 1055) überzeugt sie durch unaufgeregte Perfektion, die mit stupender Selbstverständlichkeit und entwaffnender Schlichtheit daherkommt und stets den Blick auf das Wesentliche – die schiere Schönheit der horizontalen und vertikalen Strukturen – freigibt.
Eine Besonderheit unter den Instrumentalwerken dieser CD ist die hier zu hörende Version des C-Dur-Konzerts BWV 1061, das ursprünglich für zwei Cembali komponiert wurde. Hier nun erklingt es in einer Version für vier Soloinstrumente – Oboe und Gamba übernehmen den einen, Violine und Fagott den anderen Cembalopart – plus Streicher. Freilich kann diese Bearbeitung keinen Anspruch darauf erheben, in irgendeiner Weise historisch zu sein, aber sie eröffnet doch die Möglichkeit, die musikalische Substanz dieses Werkes noch einmal ganz neu zu hören.

Michael Wersin, 01.09.2018



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