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Solar Plexus (Istanbul Sessions)

Ilhan Ersahin

O-Tone Music/Edel 1044899OTO
(51 Min.)

Ilhan Ersahin, Sohn einer schwedischen Mutter und eines türkischen Vaters, ist eine schillernde Gestalt. Er betreibt in New York den Club Nublu, der für seine Mischkultur aus Jazz, afrikanischer und südafrikanischer Musik, Dancefloor und Electronics bekannt ist. Als Saxofonist kann man ihn auch mal mit der Funkrockband Red Hot Chili Peppers in São Paulo jammen hören. Auf seinen Alben unter eigenem Namen zieht es ihn schließlich immer wieder in die Heimat des Vaters: Seit 2008 nimmt Ersahin unter dem Formatnamen „Istanbul Sessions“ am Bosporus Genreübergreifendes auf.
Für die vierte Ausgabe konnte der Saxofonist und Keyboarder eine Reihe namhafter Mitstreiter gewinnen: die Trompeter Erik Truffaz, Nils Petter Molvaer und Ibrahim Maalouf etwa oder den Bill-Frisell-Schlagzeuger Kenny Wollesen. Im Rahmen der Istanbul-Session treffen sie unter anderem auf den jungen US-Produzenten und Gitarristen Dave Harrington sowie auf die beiden Türken Arto Tunçboyacıyan an der Percussion und Alp Ersonmez, der normalerweise den Bass für den Popstar Tarkan zupft. Gemeinsam befindet man sich an Bord eines virtuellen Raumschiffs, das dem Albumtitel „Solar Plexus“ entsprechend Richtung Sonne unterwegs ist.
Ganz so heiß, wie man es vielleicht erwarten könnte, geht es allerdings nicht zu. Verlangsamt, gleichsam schwerelos, ziehen die verschiedensten Elemente auf der Grundlage dubbiger Rhythmen an den Ohren des Hörers vorbei: Gregorianische und orientalische Männergesänge werden ins Geschehen gebeamt, eine Pedal-Steel-Gitarre wimmert, und eine Orgel faucht. Ersahins in Hallräume getauchtes Saxofon murmelt dazu wie ein ausgebuffter Commander. Während ein Stück wie „Sea Of Stars“ bedenkliche Nähe zum Café-del-Mar-Ennui der Jahrtausendwende aufweist, lässt der pulsierende CD-Abschluss „Arrival“ mit einem etwas energischeren Saxofon an Kamasi Washington denken. Das alles ist sicherlich nicht aufregend neu, zeigt aber, dass uns die coolen Klänge aus Istanbul viel näher sind, als uns die Türkei derzeit erscheinen mag.

Josef Engels, 08.09.2018



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