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Dmitri Schostakowitsch, Thierry Escaich, Sofia Gubaidulina, György Ligeti u.a.

Light and Dark (Orgelwerke)

Iveta Apkalna

Berlin Classics/Edel 0301074BC
(67 Min.)

69 Register, 4.765 Pfeifen, deren Länge von elf Millimetern bis zehn Meter reicht. Das sind einige der wichtigsten nackten Zahlen der Orgel mit der Opus-Nummer 1871, die aus der Bonner Orgelbauwerkstatt Klais stammt und einen besonderen Platz an einem noch außergewöhnlicheren Ort einnimmt. Über vier Stockwerke verteilt sich das Instrument in der Hamburger Elbphilharmonie. Mit der Eröffnung des neuen Konzertsaals übernahm denn auch mit der Lettin Iveta Apkalna eine entsprechende Könnerin das Amt der Titularorganistin. Und in dieser Funktion hat sie nun die erste akustische Visitenkarte der Klais-Orgel veröffentlicht. Dafür hat Apkalna aber nicht etwa die übliche Hochleistungsshow ins Visier genommen, mit Werken etwa von Bach, Franck und Widor. Auf dem Programm stehen ausschließlich Stücke von Komponisten des 20. & 21. Jahrhunderts, für die sich die Solistin in den letzten Jahren bei ihren Konzerten immer wieder stark gemacht hat. Dazu gehören die drei „Évocations“ des Franzosen Thierry Escaich sowie musikalische Gebete der Letten Aivars Kalējs und Lūcija Garūta, die sich wie Escaich ebenfalls auf das barocke Choral-Erbe beziehen. Und neben der wollüstig einsetzenden Orgelbearbeitung der riesigen Passacaglia aus Schostakowitschs Oper „Lady Macbeth von Mzensk” sowie dem Postludium aus Janáčeks „Glagolitischer Messe“ erklingt hier auch mit flimmernden Glissandi gespicktes, geheimnisvoll Klangflächiges von György Ligeti und der Russin Sofia Gubaidulina („Hell und dunkel“). Schillernde, spirituell aufgeladene Klangbänder wechseln sich da zudem auf dem Album auch mit bedrohlichen Kaskaden und ungemein sanften, in sich gekehrten Meditationen ab. Und da Apkalna all die geforderten Höchstschwierigkeiten dank ihrer enormen Spielpraxis mehr als nur souverän abrufen kann, erweist sich die diskografische Feuertaufe der beeindruckend großkalibrigen wie in chiaroscuro-Bereichen feinabgestuften Klais-Orgel als einzigartiges Erlebnis.

Guido Fischer, 08.09.2018



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