Responsive image
Johann Sebastian Bach

Bach (Arien und Sinfonias)

Benjamin Appl, Concerto Köln

Sony 19075851622
(68 Min., 4/2018)

Gemeinsam mit Andrè Schuen, Samuel Hasselhorn und Martin Häßler bildet Benjamin Appl eine neue Generation sehr attraktiver junger Baritöne, die zu Recht für Aufsehen sorgt. Auch künstlerisch atmet man auf. Denn Appl hatte nach einer problematischen Brahms-CD (mit Graham Johnson), bei der Unbeteiligtheit, Vokalverfärbungen und ein Eindunkeln der Stimme störten, einiges gutzumachen.
Tatsächlich wird bei „Willkommen, werter Schatz“ aus BWV 36 kein A mehr zu O. Die Diktion bleibt klar, die Emphase gezügelt. Schon im Rezitativ „Am Abend, da es kühle war“ aus der Matthäus-Passion muss Appl indes bei tiefen Tönen arg drücken. Die Arie „Mache dich, mein Herze, rein“ singt er gewohnt hell timbriert, doch hängt manche Verzierung gefährlich in der Luft.
Dass Appl stilistisch an seinen Lehrer Dietrich Fischer-Dieskau erinnert, erschwert die Sache zusätzlich. Dies ist eine Art Fischer-Dieskau light – ohne Legatismus und Konsonantenwuchern, aber doch mit der Anmutung eines gestärkten Oberhemds. Was bei Fischer-Dieskau für Aplomb sorgte, bleibt bei Appl blass und temperamentsarm.
Um keinen Zweifel aufkommen zu lassen: Dies ist ein guter Konzertsänger, der in Gesamtaufnahmen ohne weiteres passieren könnte. Auch wurde mit dem Concerto Köln, das fünf Sinfonias beisteuert, ein erstrangiges Ensemble verpflichtet. Sehr ordentlich: „Kron und Preis gekrönter Damen“ BWV 214. Katastrophal: „Siehe, ich will viel Fischer aussenden“ BWV 88, da Appl mit den endlosen Melismen nicht klar kommt. Mit der Arien-Sammlung, hauptsächlich aus neun Bach-Kantaten, mag Benjamin Appl seine bislang beste CD vorlegen. Reicht das?

Robert Fraunholzer, 15.09.2018



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

pianoronald
Man kann über das Timbre eines Sängers verschiedener Meinung sein. Aber zu schreiben, dass Benjamin Appl mit den endlosen Melismen der Arie aus Bachs Kantate BWV 88 nicht klar kommt, ist einfach falsch. Ich habe mir die Aufnahme mit der Partitur angehört, es gibt nicht das Geringste zu bemängeln - im Gegenteil, die Koloraturen werden perfekt bewältigt. Ich finde die ganze CD hinreißend - ihr nur zwei von fünf Sternen zu verleihen, ist ein (schlechter) Witz.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Kennen Sie William Sterndale Bennett? Wahrscheinlich nicht. Der Komponist, der Hans Christian Andersen nicht unähnlich sah, war der Sohn eines Organisten. Als Chorknabe bei der King’s College Chappell ausgebildet, studierte er an der Royal Academy of Music – eine durch und durch britische Verwurzelung. Doch seine heimliche Liebe gehört den deutschen Romantikern. So besucht er Deutschland, trifft Felix Mendelssohn Bartholdy, der ihn nach Leipzig und als Solist ins Gewandhaus einlädt. Dort […] mehr »


Top