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Johann Sebastian Bach

Mit Bach durchs Jahr (Vol. 6: Ende des Kirchenjahres)

Carsten Zündorf

Kaleidos/Klassik Center Kassel KAL63392
(78 Min., 4/2018)

Die Seufzermotivik des machtvollen großen Präludiums c-Moll (BWV 546) eröffnet den sechsten Teil von Carsten Zündorfs Reise durch Bachs Orgelwerk ausgesprochen passend: Schließlich richtet sich am Ende des Kirchenjahres – diesem liturgischen Zeitraum ist das Programm gewidmet – der christliche Blick verstärkt auf die großen elementaren Fragen des menschlichen Seins, auf sein „Woher“ und vor allem sein „Wohin“, ehe dann Anfang Dezember wieder die Hoffnung auf die Ankunft Christi die gottesdienstlichen Feiern bestimmt. Entsprechend thematisch geprägt ist die Auswahl der zahlreichen Choralvorspiele, die auf das Präludium folgen: „Wenn wir in höchsten Nöten sein“ aus dem Orgelbüchlein, „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ in drei Versionen, „Ach wie flüchtig, ach wie nichtig“ und „Mit Fried und Freud fahr ich dahin“ (beide ebenfalls aus dem Orgelbüchlein) sind nur einige wenige der zahlreichen Choralmelodien, die in Bachs ungeheuer textnahen Bearbeitungen erklingen, bevor die c-Moll-Fuge BWV 546 den Rahmen um diese überaus ansprechende Werkfolge schließt. Die vierte Triosonate in e-Moll (BWV 528) und die Canzona d-Moll (BWV 588) sind außerdem noch als weitere nicht-liedgebundene Werke in die Reihe der Choralvorspiele eingestreut. Carsten Zündorf ist erneut auf der Flentrop-Orgel der Marienkirche in Osnabrück zu hören, an der der Organist seit seiner Berufung zum Kirchenmusikdirektor im Jahre 2006 brilliert. Seine enge Verbindung mit dem prachtvollen Instrument ist in jedem einzelnen Stück zu erkennen: Kreativ nutzt er die reiche Klangfarbenpalette, und die unmittelbar sprechende Brillanz seiner Artikulation belegt seine tiefe motorische Vertrautheit mit der Traktur dieses Instruments. Wie schade, dass dieser sechste Teil des Bach-Projekts schon der letzte war.

Michael Wersin, 22.09.2018



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