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N° 1273
01. - 07.10.2022

nächste Aktualisierung
am 08.10.2022



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Paradox Dreambox

Peter Gall

Traumton/Indigo 158622
(54 Min., 12/2016)

Ob bei der Band Subtone, Roberto Gioias Web Web oder im Trio mit seinem Bruder Chris: Peter Gall ist ein ebenso viel beschäftigter wie wichtiger Taktgeber im deutschen Gegenwartsjazz. Dass die Idee für sein erstes Album unter eigenem Namen während des Masterstudiengangs an der Manhattan School of Music reifte, merkt man „Paradox Dreambox“ an.
Es ist allerdings nicht das hektische New York, das man aus einigen der Quintett-Kompositionen heraushören kann. Vielmehr fühlt man sich mal an den ländlichen Gruppensound von Brian Blades Fellowship (etwa in „Faro“) oder an Pat Methenys hymnischen Optimismus erinnert – vor allem dann, wenn Pianist Rainer Böhm wie Lyle Mays jubilierende Moog-Soli in den Himmel schickt.
Gitarristisch hat Galls organischer Fusionjazz, der sich bis hin zum Rauschhaft-Orchestralen ausweiten kann (wie im Ende von „4 West“), lustiger Weise eher wenig mit Metheny gemein: Dafür hat sein Mann an den Saiten, der Niederländer Reinier Baas, einen viel zu eigenständigen Sound.
Mal angerockt, mal halbakustisch elegant, mal noisig, lassen Baas' unermüdlich sprudelnden Linien aufhorchen. Als Hörbeispiel sei das Intro zu „A Bird's First Escape“ angeführt, in dem der Holländer einen irrwitzigen Bogen von Ngyuên Lê über Sonic Youth zu Neil Young schlägt. Überdies erweist sich die Entdeckung Baas als perfekter Anspielpartner von Saxofonist Wanja Slawin in den fein gesponnenen Themen, die Gall seinem Quintett auf den wendigen Körper geschrieben hat.
Kennzeichnend für die Aufnahme ist aber nicht nur das schlafwandlerisch sichere Interagieren der Musiker, das Gall mit seinem filigran-antreibenden Schlagzeug- und Perkussionsspiel verdichtet. Wie ein Kommentar aus einer anderen Welt liegen immer wieder Synthesizerflächen unter dem Geschehen ausgebreitet, mal watteweich-einlullend, mal bedrohlich pumpend wie aus dem Soundtrack von „Stranger Things“. Dadurch gewinnen Galls handfeste Kompositionen das paradoxe träumerische Element, das dem Albumtitel eingeschrieben ist.

Josef Engels, 29.09.2018



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