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Dmitri Kabalewski

Modern Times (Violinkonzert, Overture Pathétique, Orchestersuite „Coles Breugnon“ u.a.)

Yury Revich, Magda Amara, Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, Karl-Heinz Steffens

Capriccio/Naxos C5347
(60 Min., 1/2018)

Dmitri Kabalewski hatte stets das richtige Näschen dafür, wann es möglicherweise brenzlig werden könnte. Denn trotz des Tauwetters in der Post-Stalin-Ära war das Komponieren in der Sowjetunion immer noch kein Zuckerschlecken. Und so nahm der bestens vernetzte Komponist 1962 Schostakowitsch zur Seite und riet ihm davon ab, seine extrem systemkritische „Babi Jar“-Sinfonie uraufführen zu lassen. Doch der Kollege ignorierte den Rat. Diese kleine Geschichte lässt immerhin erahnen, welchen Stellenwert Kabalewski damals im sowjetischen Musikleben besaß. Er kannte alle großen Komponisten. Zugleich war er engagiertes Parteimitglied und bekleidete hohe Ämter. Diese Linientreue spiegelte sich denn auch in der Musik Kabalewskis wider, der 1987 im Alter von 82 Jahren in Moskau verstarb.
Im Sinne der sozialistischen Einheitsklangideale kommen denn nun einige der Instrumentalwerke daher, die die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter ihrem Ex-Chefdirigenten Karl-Heinz Steffens für ihr diskografisches Kabalewski-Porträt ausgewählt hat. Sie stammen aus dem Zeitraum 1937 bis 1957 und erinnern mit ihrer motorischen Fulminanz auch an die mächtig ins Ohr gehenden, unterhaltsamen Kompositionen von Khatchaturian. Das von Yury Revich bravourös gegeigte Violinkonzert besitzt zudem leicht tänzerische Züge à la Prokofjew. Die „Overture pathétique” könnte mit ihrer Mischung aus Festtagsstimmung und Filmmusik-Appeal von Schostakowitsch stammen. Und während die Rhapsodie über ein Thema des Lieds „Schuljahre“ für Klavier und Orchester sich dann doch mal ins „dekadent“-spätromantische Rachmaninow-Idiom verliebt, kann man bei der knackigen Ouvertüre zur Oper „Coles Breugnon“ verstehen, warum sie schon früh auch im Feindesland USA bei den örtlichen Top-Maestri Arturo Toscanini und Fritz Reiner gerne aufs Programm gesetzt wurden. Aber auch Steffens und die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz machen ihre Sache nicht nur mehr als glänzend. Wie schon bei ihren vorausgegangenen Einspielungen der „Modern Times“-Reihe, die u.a. Alberto Ginastera und Luigi Dallapiccola gewidmet waren, haben sie erneut das Spotlight auf einen Komponisten so ausgerichtet, dass man ihn gewinnbringend von etwas anderen Seiten kennen- und schätzen lernen kann.

Guido Fischer, 29.09.2018



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