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William Byrd, Carlo Gesualdo, Pomponio Nenna, Luca Marenzio u.a.

Melancholia (Madrigale und Motetten)

Les Cris de Paris, Geoffroy Jourdain

harmonia mundi HMM 902298
(67 Min., 6/2017)

Musik als Trostpflaster – auf diese Formel hatte bereits 1621 ein gewisser Robert Burton hingewiesen. Zu einer Zeit, als gerade in England die Melancholie grassierte – dieser Trauerflor, der sich in den halbdunkelsten Farben um die Seele legte. Aber Mr. Bruton kannte dagegen eben das rechte Gegenmittel. In seinem Traktat „Anatomy Of Melancholy“ schrieb er: „Viele werden beim Anhören von Musik melancholisch, aber es ist eine lustvolle Melancholie, die so entsteht; und deshalb ist sie für Menschen im Zustand von Unzufriedenheit, Schmerz, Angst und Sorge oder Niedergeschlagenheit ein sehr probates Heilmittel: Es vertreibt den Kummer, wandelt den betrübten Geist und hilft im Augenblick.“ Doch nicht nur in England waren melancholische Anwandlungen geradezu en vogue. Auch im entfernten Italien griffen Komponisten wie Carlo Gesualdo, sein Schüler Pomponio Nenna oder der Renaissance-Titan Luca Marenzio eifrig zur Feder, um die bedrückenden Gedanken über die eigene Vergänglichkeit oder die unerfüllte Liebe musikalisch zu vertreiben. Zwar sind nun die eingespielten Madrigale, Motteten und Instrumentalstücke, die allesamt um das 16. Jahrhundert entstanden sind, selbst ganz schön von Schwermut aufgeladen. Aber von dem französischen Vokalensemble Les Cris de Paris werden bei aller Schnörkellosigkeit die äußerst kunstvoll gestalteten Leidensgesänge selbst der wenig bekannten Tonsetzer John Wilby und Cesare Tudino derart empfindsam und eindringlich ausgekleidet, dass es schon wieder schönster Klangbalsam für die geschundene Seele ist.

Guido Fischer, 06.10.2018



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