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Imago

Johannes Bigge Trio

nWog/Edel 1026816NWO
(46 Min.)

Alles, was man über das Trio um den Pianisten Johannes Bigge wissen muss, findet sich im Titelstück seines zweiten Albums. Und das sollte man sich als einen See voller Möglichkeiten vorstellen, in den jemand mutwillig Steine wirft oder mit einem Stock im Schlamm herumwühlt. Wirbel und kreisförmige Verzerrungen entstehen, und irgendetwas taucht kurz aus dem Unterbewusstsein auf, um genauso schnell wieder unterzugehen. Wenn der Tumult schließlich abgeebbt ist, hat man einen klaren Blick auf die Oberfläche des Gewässers, in dem sich ein blauer Himmel mit ein paar Wolken spiegelt.
Und so verhält es sich eigentlich mit allen Stücken von Bigge, Bassistin Athina Kontou und Schlagzeuger Moritz Baumgärtner. Sie schweben gestaltlos verflüssigt zwischen den Genres, bewegen sich mal in Richtung Free, mal in Richtung Bach oder sogar Rock und Stride-Vorsintflutlichem. Dafür bringt das Trio ja auch alles mit: Bigge, der sich am Klavier freigeschwommen hat von seiner Ausbildung bei Meistern wie Richie Beirach und Michael Wollny, Kontou, die ihren Bass sicher durch Stromschnellen zu navigieren weiß, Baumgärtner, der das Metall seines Schlagwerks in unwirklichen Obertonklangfarben zum Nachklingen bringt.
Und doch ist da überall in den unkomponiert wirkenden Kompositionen ein Urbild in Form einer eigenwillig schönen Akkordfolge oder Melodie versteckt, das man kurz erhascht. Man reibt sich die Augen. War das was von Joni Mitchell wie in „Come Home“ oder von Radiohead wie in „Irrlicht“? Ist das ein Gospel („Imago“) oder ein Totenmarsch („Labyrinth“)?
Es ist dieses Rätselhafte, das den Reiz der Aufnahme ausmacht und die Stellung von Johannes Bigge als frischem Neudeuter des Piano-Trio-Formats verfestigt.

Josef Engels, 06.10.2018



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